„Das weiß ich nicht. Klara muß mir einen von seinen Briefen schicken.“
„Und was bewiese das Alles, wenn wir nicht konstatiren können, daß er an jenem Tage wirklich hier gewesen ist?“
„Er hat seine Cousine um Geld gebeten, also war er arm, jetzt ist er reich.“
Der Justizrath schüttelte noch immer mit dem Kopf. „Er hat sich durch Spekulationen in Paris viel Geld verdient, wie mich Freund Perler versichert.“
„Er verkauft Diamanten,“ fuhr Elisabeth fort; „unter den Steinen aber, die er besitzt, sind ein paar unechte, und der Juwelier, der hier den Schmuck des alten Stiftsfräulein in Händen gehabt, sagt — nach den Akten — aus — daß einige unechte Steine dabei gewesen wären.“
„Aber um Gottes Willen, woher weißt Du das Alles?“ rief der Justizrath wirklich erstaunt aus.
„Nach jenem Abend,“ fuhr Elisabeth fort, ohne die Frage gleich zu beantworten, „war er verschwunden — ich habe ihn nicht wieder gesehen und muß gestehen, daß mir das auffiel. Geschäfte? Es ist das ein gefälliges Wort, und leicht vorgeschützt, aber damals, mit keiner Ahnung eines solchen Verdachts, grübelte auch ich nicht weiter darüber nach. Er ist jetzt nach Paris und Brüssel, wer weiß, ob er je nach Deutschland zurückkehrt.“
„Und weiß er, daß wir in dem nämlichen Hause wohnen, in dem der Mord verübt ist?“
„Nein — wenn er überhaupt von dem Mord Kenntniß hat,“ sagte das junge Mädchen.
Der Justizrath war aufgestanden und ging, die linke Hand auf dem Rücken, in der rechten die Pfeife haltend, mit raschen Schritten in seinem Zimmer auf und ab.