„Ja, mein Kind,“ sagte der Vater, seine Sachen ablegend, „bitte, mach’ die Thür zu.“
„Ist etwas vorgefallen?“
„Ja, allerdings!“ rief der Justizrath erregt, „denke Dir, wir haben den wirklichen Mörder des Stiftsfräulein.“
„Den wirklichen Mörder?“
„Einen von jenen Handwerksburschen, der an dem Tage im Haus gesehen worden — aber nicht den schielenden.“
„Und hat er gestanden?“
„Gestanden noch nicht,“ sagte der Justizrath, „ja, so geschwind geht das nicht, mein liebes Kind, denn derlei Burschen gestehen nicht so leicht etwas ein; aber es ist erwiesen, daß er in jener Zeit hier in Hoßburg war, und man hat ihn ertappt, wie er alberner Weise einen Brillantring verkaufen wollte, den der Juwelier bestätigt, unter dem früheren Schmuck des Stiftsfräulein gesehen zu haben, während der Mensch behauptet, er hätte ihn in irgend einem Hause in der Stadt — in welchem kann er nicht einmal mehr angeben — auf dem Hausflur gefunden. Er will sich indessen im Preußischen aufgehalten haben und sei jetzt, da er hier heimatsgehörig ist, nach Hoßburg zurückgekehrt und durch Geldverlegenheit gezwungen gewesen, den Ring zu verkaufen. Zufälliger Weise bot er ihn unserem Juwelier an, der augenblicklich die Anzeige machte und den Menschen in Haft brachte.“
„Und wenn er den Ring wirklich gefunden hätte?“
„Das ist doch ein wenig zu unwahrscheinlich,“ sagte der Justizrath, „übrigens hat er schon gestanden, daß er damals in Hoßburg mit einem Kameraden fechten gegangen sei, — das sind also jedenfalls die beiden Handwerksbursche, die unser Mädchen damals im Hause gesehen hat.“