„Dann muß ich ihm doch einen Grund angeben, weßhalb,“ rief der Justizrath. „Nein, das geht auf keinen Fall, und ich sehe schon, ich muß selber wieder nach Bonn.“
„Ach, wenn ich mit und an Klara’s Seite sein könnte,“ sagte leise Elisabeth.
„Nun, wir wollen sehen, wie sich noch Alles macht,“ nickte der Justizrath vor sich hin. „Gott sei Dank, wir haben doch wenigstens noch ein paar Tage Luft und vielleicht bringen wir bis dahin den Gefangenen auch zum Geständniß. Assessor Berthus hat ihn in Händen und wird ihn schon mürbe machen, den verfluchten Kerl. Ergiebt sich dann aus der Untersuchung ein Resultat, so war unsere ganze Angst unnütz.“
Damit war das Gespräch für jetzt abgebrochen, und der Justizrath mußte gleich darauf wieder auf das Amt, hatte sich aber insofern in dem Gefangenen geirrt, als dieser hartnäckig bei seinem Läugnen blieb.
Der Ring, das gestand er ein, war nicht sein rechtmäßiges Eigenthum; er hatte ihn gefunden und nicht der Polizei angezeigt, — noch dazu in einem Haus gefunden, wo der wirkliche Eigenthümer leicht zu ermitteln gewesen wäre, und darin mochte er gesündigt haben, — in weiter Nichts. Er wollte auch das Haus nicht einmal mehr kennen; als man ihn aber, mit Bedeckung natürlich, in den Hausflur führte, auf dem das Stiftsfräulein früher gewohnt, erinnerte er sich ohne Weiteres daran, daß es hier — oder doch wenigstens in einer ganz ähnlichen Hausflur gewesen sei. Da — gerade dort, auf einem kleinen Absatz, der von der Flur mit zwei Stufen nach der links befindlichen Thür führte, hatte der Ring gelegen. Der Handwerksbursche erzählte dabei, er habe dort an dem nämlichen Griff geklingelt, aber Niemand hätte geantwortet, auch auf sein zweites Anläuten nicht, und während er so an der Thür gewartet, sei sein Blick auf den funkelnden Stein gefallen, den er aufgehoben und sich dann entfernt habe.
Dabei blieb er, — von weiter wollte er Nichts wissen und betheuerte, auf das Kriminalamt zurückgeführt, wieder und wieder, daß er jenen inneren Raum nie betreten, eine alte Dame nie gesehen, auch Niemanden darin gehört habe. Es sei Alles todtenstill dort gewesen, und er endlich wieder fortgegangen.
„Und warum er nicht eine oder zwei Treppen höher gestiegen wäre, da er doch des Fechtens wegen in das Haus gekommen? — ja nicht einmal auf der anderen Seite bei der Modewaarenhändlerin angeläutet habe?“
„Er hätte gefürchtet,“ sagte der Handwerksbursche, „des unglücklichen Ringes wegen gefragt zu werden, und deßhalb seinem Kameraden draußen auch gesagt, es würde in dem Hause Nichts gegeben.“
„Und wo der Andere jetzt sei?“
„Das wisse er nicht.“