„Und wie er hieße?“

„Das könne er auch nicht sagen; er habe ihn nur ‚Bruder Breslauer‘ genannt, da er aus Breslau stamme, — er sei Gürtler gewesen, wie er selber.“

Der Justizrath kam nach dieser zweiten Untersuchung wieder, den Kopf voller Zweifel und Bedenken, nach Hause. Die Gegenstände, die der Handwerksbursche bei sich führte, waren so unverfänglicher Art und so ärmlich, daß daraus keinenfalls hervorging, er habe vor kurzer Zeit einen beträchtlichen Raub ausgeführt. Der Ring machte ihn allerdings verdächtig, aber konnte den der eigentliche Thäter nicht wirklich vor der Thür verloren haben? Die Möglichkeit ließ sich keinenfalls läugnen.

Der Herbergsvater, wo jener Handwerksbursche damals übernachtet hatte, sollte noch befragt werden, ob er in jener Zeit mehr als gewöhnlich Geld verausgabt, war aber schon seit gestern unglücklicher Weise über Land, und wurde erst heute Abend oder morgen früh zurückerwartet.

So verging die Zeit, und der Tag von Klara’s Trauung rückte mit raschen Schritten näher. Was geschehen sollte, mußte bald geschehen, wenn es nicht zu spät sein sollte.

Elisabeth befand sich in einer ordentlich fieberhaften Unruhe, und trotzdem wagte sie nicht, ihren Vater weiter zu befragen, zu drängen — lastete doch das Gefühl: die Ursache einer so schweren Anklage gegen den Bräutigam der Freundin zu sein, schon zu furchtbar auf ihr. — Sie hatte jetzt ihre Pflicht gethan, — mehr konnte kein Mensch von ihr verlangen.

So rückte der Mittwoch heran, — am Sonnabend sollte die Trauung sein, und Elisabeth hatte es noch nicht über sich gewinnen können, Klara’s Brief zu beantworten, — der nächste Tag mußte ja auch die endliche Entscheidung bringen — und selbst der Mittwoch verging und Donnerstag kam, ohne daß der Justizrath ein Wort weiter gegen sie erwähnt hätte. Jetzt litt es sie aber nicht länger, — sie mußte Gewißheit haben, und war eben fest entschlossen, ihren Vater, sobald er nach Hause käme, zu fragen, was er jetzt Willens sei zu thun, als dieser zu ihr in’s Zimmer trat und ruhig sagte: „Liebes Kind, packe Deinen Koffer, — in zwei Stunden reisen wir —“

„Nach Bonn?“

„Nach Bonn — wir haben noch Reisegesellschaft.“