„Von hier?“

„Assessor Berthus ist allerdings schon gestern mit einem Aktuar dorthin abgegangen, aber Madame Belchamp und die kleine Jeanette werden uns begleiten.“

„O Du mein Gott,“ stöhnte Elisabeth.

„Hältst Du Dich nicht für stark genug, Kind,“ sagte der Vater freundlich, „so will ich Dich nicht dazu zwingen, — bleibe dann lieber hier —“

„Daß mich die Angst in der Zwischenzeit tödtet.“

„Es ist eine schwere Stunde, der Du entgegengehst, überlege es Dir wohl vorher, mein Herz.“

„Ich gehe mit Dir, Vater,“ sagte Elisabeth entschlossen, „ich muß an Klara’s Seite sein, denn sie wird den Schlag am Härtesten fühlen, — aber wenn er doch unschuldig wäre, Vater! — Seit ich Dich nicht gesprochen, und keine Stunde weder bei Tag noch bei Nacht die Gedanken aus meinem Kopf bringen konnte, sind mir die Verdachtgründe, die ich gegen Dich ausgesprochen, so schaal, so nichtig vorgekommen, daß ich mir selber schon die bittersten Vorwürfe darüber gemacht. Denke Dir, Vater, denke Dir, wenn Alles falsch und es nur ein durch einen Zufall scheinbares Zusammentreffen wäre, das einem braven Manne die Ehre rauben sollte?“

„Laß Dir das keine Sorgen machen, Schatz,“ sagte der Vater, der sich recht gut in den Seelenzustand seiner Tochter denken konnte. „Eben so exaltirt wie Du früher den ersten Gedanken erfaßtest, und Deine ganze Kraft daran wendetest, um der gefundenen Spur nachzugehen, eben so stark wirkt jetzt bei Dir der Rückschlag, wo die ersten Zweifel mit dem Wunsch vielleicht auftauchen, der Freundin das erhoffte Glück auch zu erhalten. Es ist das so menschlich wie natürlich, und ich möchte es bei Dir nicht einmal anders haben. Aber überlasse auch mir die Leitung des Ganzen und sei versichert, daß ich mit äußerster Vorsicht und Delikatesse zu Werke gehe. Wir werden bald an Ort und Stelle lernen, woran wir sind, und ist der junge Herr dann unschuldig, so hoffe ich, das noch zu erfahren, ehe wir den geringsten Eclat in der Sache machen, oder irgend gewaltsam auftreten. Doch noch eins — Du erzähltest mir neulich von einem alten Juden mit grauen Haaren, mit dem jener Berger viel verkehrt, und der auch in Deiner Gegenwart der unechten Steine erwähnte.“

„Ja, Papa.“