Und wild und wüst sah es in dem sonst so freundlichen und ordentlichen Gemach aus. Die Schubladen des Sekretärs und der Kommode waren aufgerissen und Sachen daraus auf dem Boden wirr umhergestreut. Die Räuber hatten dort ihre Beute gesucht und sich nicht die Zeit genommen, die Spuren ihrer Missethat soviel als möglich wenigstens wieder zu verwischen. Nur nach beendigtem Raub schienen sie den sonst im Innern steckenden Schlüssel abgezogen und von außen zugeschlossen zu haben. Der Schlüssel selber fehlte aber und umsonst bemühte sich die Polizei, jetzt irgend eine noch so unbedeutende Spur der Thäter zu finden.
Es blieb Alles vergebens. Nicht das Geringste hatten sie zurückgelassen, als das blutige Zeichen an der Stirn der armen, unglücklichen alten Frau. Der Justizrath, der augenblicklich herunter gerufen war, ließ das Zimmer absperren, und untersuchte Alles selber, er fand Nichts, und jetzt wurden die Hausleute examinirt, um durch sie eine mögliche Spur zu erhalten.
Gerade als das geschah, kamen die jungen Damen von ihrem heiteren Spaziergang zurück, und Tod und Blut grüßte sie an der Schwelle.
Zwei fremde Menschen waren an dem Nachmittag durch verschiedene Personen im Haus gesehen worden. Der eine von diesen sollte ein Schreinergesell gewesen sein, der eine Arbeit gebracht hatte; ein kleines, ganz neues Seitentischchen stand auch, nur bei Seite geschoben und nicht an seinem bestimmten Platz, in der Stube.
Der Andere war ein Handwerksbursche. Des Justizraths eigenes Dienstmädchen hatte ihn an der Thür des „Stiftsfräuleins“ klingeln sehen, und sein Kamerad wahrscheinlich (ein Anderer mit einem Ranzen auf dem Rücken) indessen in der Hausthür, den Ersten erwartend, gestanden.
Der Schreinergesell wurde augenblicklich citirt, aber mußte auch ebenso rasch wieder entlassen werden, da nicht der Schatten eines Verdachts auf ihn fallen konnte. Er hatte nur den Tisch abgeliefert und selber in das Zimmer getragen und war dann ungesäumt zu seiner Arbeit zurückgekehrt. Das Mädchen sollte jetzt eine genauere Beschreibung der beiden Handwerksburschen geben, hatte aber nicht weiter auf sie geachtet. Gerade als sie das Haus verließ, seien sie hinein getreten — weiter wisse sie Nichts von ihnen — nur daß der Eine an der Thür geklingelt, habe sie noch gesehen.
„Und wie sahen sie aus?“
„Ja lieber Gott, wie Handwerksburschen aussehen, ein Bischen abgerissen und verwildert.“ Der Eine habe geschielt, das erinnere sie sich noch.
Das war wenigstens ein Anhalt, und die ganze Polizei wurde jetzt in Bewegung gesetzt, um auf einen schielenden Handwerksburschen zu fahnden.