„Und wohnen Sie nicht mit hier?“
„Nein, — mit Herrn von Berger Stube an Stube in der nächsten Straße, — auf Wiedersehen, Herr Justizrath —“ und mit den Worten schritt er, das Trottoir entlang, seiner eigenen Behausung zu.
Der Justizrath wollte ihn noch einmal zurückrufen, — es lagen ihm noch eine Masse Dinge auf dem Herzen. — So durfte Klara keinenfalls dabei sein, wenn die Sache zum Ausbruch kam, — der furchtbare Augenblick wenigstens mußte ihr erspart werden — und dann der Medizinalrath selber, — aber Berthus war schon um die Ecke, ehe er noch einen bestimmten Gedanken fassen konnte, und mit dem vollen Vertrauen auf die Klugheit und Umsicht seines Gefährten beschloß er, vor der Hand der Sache ihren Lauf zu lassen. Er war überhaupt müde von der Reise und bedurfte einer kurzen Ruhe.
Desto unermüdlicher schien der Assessor, der, einmal auf eine Fährte gebracht, derselben nachspürte wie ein richtiger Schweißhund, und Hunger und Müdigkeit dabei nicht einmal dem Namen nach kannte.
Im Hotel angekommen, war in der Portiersstube sein erster Blick nach Berger’s Nummer, — der Schlüssel hing am Haken, er selber konnte also nicht zu Hause sein.
„Briefe für mich angekommen?“ frug er.
„Nein, Herr Professor.“
„Herr von Berger oben?“
„Ausgegangen, — Lieutenant von Glaser und der junge Engländer haben ihn abgeholt.“
Der Assessor nickte; er wußte jetzt, wo er seinen Mann zu suchen hatte, drehte augenblicklich wieder um und schritt einem nicht sehr entfernten Frühstückskeller zu, in dem sich die genannten Herren jetzt schon zwei Tage hintereinander Morgens erfrischt hatten. Er war nicht fehlgegangen. Hinter ein paar Flaschen Rheinwein, mit Lachs und Kaviar, traf er die kleine fröhliche Gesellschaft, die er aber natürlich gar nicht bemerkte, sondern sich eben an einen freistehenden Tisch setzen wollte, als er von Berger selber angerufen wurde.