„Mein lieber Freund,“ sagte Professor Perler, der selber des Justizraths Befürchtung zu theilen anfing, „Sie werden mir doch sicher glauben, daß ich mich freue, wenn meine Gäste lustig sind, — nur möchte ich Sie vor dem jetzigen Wein warnen; er steigt rasch in den Kopf.“
„Bah,“ lachte Berthus, „muthig müssen wir der Gefahr begegnen; wie, Berger? — Männer werden sich doch nicht vor einem Glas Wein fürchten. — Da passirte mir neulich ein gottvoller Spaß,“ lachte er, während er Berger die Flasche zuschob — und jetzt eine Anekdote erzählte, die selbst den Justizrath zum Lachen zwang. — Auch Berger, wenn er überhaupt einen Verdacht geschöpft, war wieder völlig sicher geworden und erzählte ein ähnliches Abenteuer, das sie nach einer lustig durchlebten Nacht gehabt, und Berthus hörte ihm mit leuchtenden Augen zu.
Der Lohndiener kam herein; er brachte Cigarren und Lichter und überreichte Berthus dabei einen kleinen Zettel, auf den dieser aber nur einen flüchtigen Blick warf. Es standen auch nur wenige Worte darauf: ‚Wir haben die Beweise.‘
Der Justizrath hatte ihn ängstlich beobachtet, — er konnte den Zettel kaum gelesen haben, als er ihn schon lachend zusammendrehte und an das Licht hielt, während er mit der anderen Hand eine Cigarre nahm.
„Ah, das hat mir gefehlt,“ rief er dabei, „nach einer Cigarre hab’ ich mich ordentlich gesehnt — und die seh’n gut aus — bitte, Justizrath, bedienen Sie sich, — die Cigarren kaufen Sie in Hoßburg nicht.“
„Nun, ich weiß doch nicht,“ sagte der Justizrath verlegen, „wir haben dort auch recht rauchbare Cigarren.“
„In Hoßburg?“ lachte Berthus, — „jetzt bitte ich Sie um Gotteswillen, in dem Nest.“
„Sind Sie denn dort bekannt, Berthus?“ frug Berger.
„Bekannt?“ rief der kleine Mann; — „na, ich sollte denken, jeden Winkel kenn’ ich, — wo wohnen Sie dort, Justizrath?“
„Auf dem Wiesenweg,“ erwiederte dieser, der nicht recht wußte, wohinaus der Assessor damit wollte.