Drittes Kapitel.
Eine Rheinfahrt.
„An den Rhein, an den Rhein, zieh’ nicht an den Rhein,
Mein Sohn — ich rathe Dir gut,
Dort geht Dir das Leben zu wonniglich ein,
Dort fließt Dir zu fröhlich das Blut.“
So lautet ja wohl das alte Volkslied, das mit seinen paar Strophen ganze Bände zum Lob des Altvater Rheines spricht. — Aber weßhalb sollten wir nicht an den Rhein ziehen? — weil es uns dort zu gut ergeht? Du lieber Gott, wie lange währt denn eigentlich dieß Leben, und wohl dem, der im Stande ist, es zu genießen, so lange er darf. Der Gefahr, daß es uns zu wonniglich eingehe, können wir mit kecker Stirn begegnen.
Der Justizrath selber schien auch nicht die geringste Furcht davor und mit dem Aktenstaube und dem Dunst der dumpfigen und engen Gerichtsstuben alle Sorgen und kleinlichen Befangenheiten des Lebens abgeschüttelt zu haben. Er war, wie er nur hinaus in die frische freie Luft kam, ein ganz anderer Mensch geworden, und glich in seinem weißen leinenen Rocke, dem Strohhut und offenen Hemdkragen eher jedem anderen irdischen Individuum, als eben einem Justizrath.
So tüchtig er aber auch in seinem Fach sein mochte, und mit klarem Verstand und geistiger Schärfe er dort Alles sichtete und durch ein richtiges Gefühl geleitet wurde, so vollkommen befand er sich von dem Augenblick an außer seiner Sphäre, wo er in das praktische Leben selbsthandelnd eintreten sollte.