Eine Verständigung wurde jetzt bald erzielt, und schon am nächsten Morgen wanderten die Beiden, ihr Geschirr auf einen dort oben gekauften Esel geladen, dem Featherriver zu Thal folgend, nach Sacramento zurück und schritten von dort, da in der gerade trockenen Jahreszeit die Niederungen passirbar waren, zu den Wassern des San Joaquin, nach Stockton hinüber. Von den alten Kameraden, die sie noch hie und da trafen, wurden sie freilich mit Jubel begrüßt, aber Alle lachten auch und erklärten die Geschichte mit den Räubern in Mexiko für leeren Schwindel. Nach San Francisco seien sie gekommen, so behaupteten sie, und weiter nicht, und dort hätten sie ihr Geld in den Spielhöllen verspielt — das sei die ganze Raub- und Mordgeschichte. Erst wenn sie die erhaltenen und noch deutlich sichtbaren Narben zeigten, konnten sie die Wahrheit des Gesagten den Anderen aufnöthigen, und man ließ sie zuletzt zufrieden. Solche Raubanfälle waren ja auch in der letzten Zeit etwas so Gewöhnliches geworden, daß die davon Betroffenen nur noch Gott danken konnten, wenn sie mit dem Leben davon kamen.
Die beiden Freunde gingen jetzt hier oben wieder an die Arbeit, und wenn sie das Gold auch nicht mehr so rasch und leicht fanden, als bei ihrem ersten Versuch in den Minen, trafen sie doch wenigstens reichere Stellen, als in den nördlichen Bergwassern, und fingen an, mehr zu verdienen, als sie brauchten.
Das Goldwaschen ist dabei allerdings eine entsetzlich schwere Arbeit, denn unaufhörlich müssen tiefe Löcher gegraben werden und Wasserausschöpfen, Hacken und Schaufeln hört nicht auf; aber es hat auch wieder einen ganz eigenen Reiz, denn wie man nur ein neues und tiefes Loch gegraben hat, und dann die Erde auszuwaschen beginnt, so ist es beinah, als ob man sich bei der Ziehung einer Lotterie befindet, bei der man den Einsatz aber mit seiner Arbeit bezahlt hat. Es kann ein sehr hoher Gewinn herauskommen — vielleicht auch nur der Einsatz — Tagelohn. — Möglich auch, daß man eine Niete findet, aber die Hoffnung geht nie aus, und wieder und wieder getäuscht, oder doch wenigstens nicht vollständig befriedigt, gräbt der Goldwäscher weiter, bis er endlich einmal Ersatz für seine Quälerei erhält oder auch — freilich in den meisten Fällen — zu der Ueberzeugung kommt, daß er mit anderer, viel leichterer Arbeit jedenfalls eben so viel, wenn nicht mehr, verdienen könne.
Gerade dieser Reiz des Ungewissen aber hält die Leute am Längsten in den Bergen, und da doch auch manche Glückliche zuweilen einen reichen Fund thun, so wird zehn und zwanzig Mal getäuschte Hoffnung immer wieder von Neuem belebt.
Unsere beiden jungen Amerikaner aber, an harte Arbeit ihre ganze Lebenszeit gewöhnt, dabei mit dem Bewußtsein, schon einmal einen Erfolg gehabt zu haben, sahen freilich, daß es diesmal nicht so rasch ging, als früher, ließen sich aber auch nicht irre machen, hackten und schaufelten ruhig fort und fanden bald, daß sie sich wieder eine hübsche Summe einbrächten. Nach sechs Monaten harter Mühe hatten sie denn auch wieder ein paar tausend Dollars beisammen und beschlossen jetzt, in Stockton einen großen Wagen und ein paar Pferde zu kaufen, um damit Waaren in die Minen zu transportiren, was damals noch außerordentlich gut bezahlt wurde. Da sie selber dabei speculirten, mehrte sich ihr Gewinn, und nach noch fünf Monaten hatten sie so viel, daß sie auf’s Neue nach den Staaten zurückzukehren beschlossen.
Bis dahin waren aber auch die Verhältnisse in Californien geregelter geworden, und es hatten sich große Geschäftshäuser in San Francisco etablirt, die gute Geschäfte dabei machten, für Goldwäscher und Händler — gegen gewisse sehr hohe Procente natürlich — das gewonnene Gold in die Heimath zu schicken. Dadurch entgingen diese jedenfalls der Gefahr, es unterwegs zu verlieren, ja es war sogar gegen Schiffbruch versichert. Carman selber fuhr deshalb mit ihrem kleinen Schatz nach San Francisco, um die Summe dort in einem solchen Hause zu deponiren, während sein Kamerad Hudson indessen in Ludville, einer nicht unbedeutenden Minenstadt, blieb, um Wagen und Pferde, wie noch einen kleinen dort lagernden Waarenvorrath zu verkaufen. Der Ertrag desselben reichte dann auch vollständig aus, um ihre Passage nach New-York, selbst Cajütspassage auf einer der indeß etablirten Dampferlinien zu decken. Carman sollte sich dann gleich in San Francisco nach der nächsten Schiffsgelegenheit umsehen, denn jetzt, den Entschluß zur Abreise aus Californien erst einmal gefaßt, fing ihnen auch der Boden an unter den Füßen zu brennen.
Carman besorgte, was er zu besorgen hatte, rasch und pünktlich, und Hudson, der, um eine Schuld einzukassiren, noch einmal an den Macalome mußte, übergab die Pflege der Pferde indessen einem Mexikaner, den sie die letzten drei Monate als Wagenführer in Diensten gehabt. Dieser hielt übrigens die Gelegenheit für passend, mit den beiden Thieren zu verschwinden. Die Amerikanos hatten, seiner Ansicht nach, Gold genug, und doch im Begriff, abzureisen, würden sie sich kaum noch länger in Californien zurückhalten lassen, nur um ein paar, überdies nicht sehr werthvollen Pferden nachzuforschen.
Hudson schien aber sein Geschäft, wider Erwarten, sehr schnell beendet zu haben. Er kehrte rascher nach Ludville zurück, als er Anfangs selber geglaubt, und zwar an dem nämlichen Tag, an welchem sich sein betrügerischer Wagenführer mit den Pferden aus dem Staub gemacht. Nicht gesonnen aber, den Burschen so leichten Kaufs davon zu lassen, folgte er seinen Spuren und es dauerte auch nicht lange, so traf er seine beiden Thiere, aber nicht mehr im Besitz des Diebes, sondern in dem Rancho eines anderen Mexikaners oder Californiers, der aber erklärte, die Pferde von einem durchreisenden Arriero gekauft zu haben, und sie nicht wieder herausgeben wollte.