Der alte Förster schüttelte mit dem Kopf; es war ihm nicht recht, daß seine Kreiser über eine Sache eine Disposition treffen sollten, wo er daneben stand und gar nichts davon wußte.
„Ich will Euch was sagen, Müller,“ meinte er, „ich werde erst selber einmal hineingucken, um zu sehen wie der Hase läuft.“
„Aber, Herr Förster!“ rief Metzler erschreckt, „ich bitte Sie um Gottes willen — wenn Ihnen dann auch —“
„Seid kein Esel, Metzler,“ sagte der Förster, „ich werde mich schon in Acht nehmen, habt keine Sorge.“ Und damit warf der alte Mann richtig seine Sachen ab, zog sogar seinen Rock aus, nahm die Pechfackel und trat getrost seine Wanderung an. Er wußte ja auch jetzt, wo die Gefahr eigentlich begann, und es dauerte gar nicht lange, so hatte er den Platz erreicht und übersah jetzt leicht, was hier zu thun sei, um dem jedenfalls Verunglückten Hülfe zu bringen. Müller hatte ganz recht, ein paar Stangen konnten leicht quer übergelegt werden, denn die Spalte mochte kaum vier Fuß breit sein; aber es mußten dann auch Querhölzer daran geschnürt werden, damit man einen festen Halt darauf bekam. Das war also vor allen Dingen fertig zu machen, alles Weitere mußte verschoben werden, bis man von dort aus rekognosziren konnte.
Der alte Mann versäumte auch keine Zeit. Mit fast Jugendfrische kroch er zurück und eilte dann selbst mit den Holzmachern in den Wald hinaus, um die nöthigen Hölzer in der gehörigen Länge abzuschneiden. Zusammengebunden mußten sie freilich erst in der Höhle selber werden, da man sie sonst nicht hineingebracht hätte; aber das ging ja auch leicht an, da der Raum da drinnen gar nicht so beschränkt war, so daß man sich ziemlich frei bewegen konnte.
Der Förster hatte allerdings, schon wie er das erste Mal in der Höhle war, wieder und wieder hinabgerufen, um zu hören, ob der Forstgehülfe noch am Leben sei; aber er horchte vergebens. Ein paar Mal war es ihm, als ob er da unten ein dumpfes Brausen höre, und einmal hätte er darauf schwören mögen, daß er Hundegebell vernommen. Jagte der Dachs noch? — aber dann klang es auch wieder wie das ferne Heulen des Windes, und zuletzt summte es ihm vor den Ohren, daß er gar nicht mehr im Stande war, etwas Bestimmtes zu unterscheiden.
Müller und Metzler mußten jetzt mit in die Spalte kriechen, und während ihnen der Förster mit der Fackel leuchtete, schnürten sie unter seiner Leitung eine Art Gestell zusammen, das fest genug war, drei Mann mit Leichtigkeit zu tragen, und jetzt erst begann die nähere Untersuchung der Felsspalte, in welche der unvorsichtige Forstgehülfe jedenfalls hinabgestürzt sein mußte.
Zu diesem Zweck mußte die Laterne herbeigeschafft werden, die Buschmann an ein Seil band und dann selber vorsichtig über den hier ziemlich schlüpfrigen Boden hinaus auf das Gestell rutschte, um von dort aus die Laterne hinabzulassen.
Die Spalte war aber tiefer als er selber geglaubt — es ging ein ganz verwünschtes Stück hinunter, und das trüb brennende Talglicht verbreitete dort unten lange nicht genug Helle, um irgend etwas deutlich zu unterscheiden.
„Es kann nichts helfen, Müller,“ sagte da der Förster, „Ihr seid von uns der Leichteste und müßt einmal hinunter — bindet Euch das Seil um den Leib und laßt dann die Anderen draußen mit hereinkommen und anfassen, dann rutscht in Gottes Namen. Hier an der einen Seite scheint auch feuchter Lehmboden zu sein, und Ihr findet vielleicht unterwegs einen Fußhalt.“