Am dritten Tag endlich, nachdem der Chirurg zweimal wieder da gewesen war und immer bedenklicher mit dem Kopf geschüttelt hatte, schlug der Kranke die Augen auf und schien seine Umgebung zu kennen.
„Ja, Lisei,“ sagte er erstaunt, „wie kommst Du denn hierher?“
„Ich, Herr Forstgehülfe?“ rief die alte Person; „aber dem Himmel sei Dank, daß Sie nur wieder reden können. Nun wird ja auch Alles bald gut sein. Wir haben recht Angst um Sie gehabt.“
„Um mich, Lisei?“ lächelte Raischbach und schüttelte mit dem Kopf. „Ja, wenn die Marie nicht gewesen wäre, die Anderen waren freilich verrätherisches Volk, der Hackelnberg und der Hans Jagenteufel — hol’ sie der Böse — und die Berchta hatte vor Allem den Teufel im Leib. Herr Gott, ist das ein wildes Frauenzimmer!“
Die alte Lisei schlug vor Entsetzen die Hände zusammen; Bernhard aber hatte die Augen schon wieder geschlossen und lag still und ruhig, als der Förster auf den Zehen eintrat und flüsterte: „Holla, Lisei — hat denn der Raischbach nicht eben gesprochen?“
„Ach ja wohl, Herr Förster!“ stöhnte die Alte; „aber, Jesus Maria und Joseph, lauter tolles Zeug! Er ist hier nicht richtig“ — und sie deutete sich mit einer äußerst bestürzten Miene auf den Kopf.
„Phantasirt er?“ frug der Forstmann, indem er leise näher kam.
„Er pappelt irre!“ sagte die Alte — „immer vom wilden Jäger und solchen Geschichten und dann auch wieder von der Jungfrau Maria dazwischen.“
Der alte Förster winkte ihr nur beruhigend mit der Hand und wollte eben das Zimmer wieder verlassen, als Raischbach zum zweiten Mal die Augen aufschlug, sich jetzt aber gar nicht nach den in der Stube Befindlichen umsah, sondern nur im Bett herumfühlte, als ob er etwas suche.
„Heda, Raischbach!“ rief da Buschmann freundlich, indem er zu seinem Bette trat und seine Hand faßte; „das ist recht, daß Sie die Geschichte abgeschüttelt haben; nun halten Sie sich nur noch ein oder zwei Tage ruhig, und es wird Alles wieder gut sein.“