„Förster geworden, hah? na das ist recht!“ rief Böckler vergnügt; „da gratulir’ ich von Herzen, und das hat er sich auch wahrhaftig ehrlich und sauer genug verdient. Aber jetzt dürfen wir uns hier nicht länger mit Redensarten aufhalten, denn die jungen Leute da drin werden mir sonst ungeduldig und meine Alte zappelt sich schon seit einer Stunde ab, um fertig zu werden und zum Aufbruch zu blasen. Erst trinken wir aber noch ein Glas Wein und dann kann die Geschichte meinetwegen losgehen.“
Er führte auch seine Gäste jetzt ohne Weiteres ins Haus, und Raischbach schlug das Herz wie ein Hammer in der Brust, als er die Schwelle überschritt, auf welcher er sein Traumbild jetzt mehr zu finden fürchtete als hoffte. Zuerst mußten sie aber noch die Begrüßung der Frau Oberförsterin mit durchmachen, die, während ihr Mann in seine gewöhnliche Sonntagsjoppe gekleidet ging, den höchstmöglichen Staat angelegt hatte und mit Bändern und Schleifen fast bedeckt schien — war es doch auch der Ehrentag ihres einzigen Kindes.
Und jetzt betrat das Brautpaar das Zimmer, und der Alte stellte sie mit launiger Förmlichkeit vor. —
„Herr Doktor Westphal aus Kassel als Bräutigam und Fräulein Marie Böckler aus dem Bau als Braut — und hier Herr Förster Buschmann, direkt aus dem Urwald, mit Gemahlin, eben so wie der neue Herr Förster Raischbach von ebendaselbst.“
Die Braut war ein liebes holdes Kind von kaum achtzehn Jahren, eigentlich fast zu zart für eine Försterstochter, aber mit treuen lichtblauen Augen und blonden Haaren, auf denen jetzt der Myrtenkranz ruhte, während ein schneeweißes, duftiges Kleid ihre schlanke Gestalt umschloß — aber Raischbach sah ein vollkommen fremdes Gesicht vor sich. Dem Mädchen war er nie im Wald begegnet — das war nicht „seine Maid aus dem Bau“, und so verlegen stand er ihr in dieser plötzlichen Enttäuschung gegenüber, daß er kaum im Stande war, die freundlich nach ihm ausgestreckte kleine Hand zu nehmen, um die Begrüßung zu erwiedern.
Also doch nur ein Traum das Ganze — und jene Begegnung im Wald? — damals konnte er ja doch nicht geträumt haben, wo er, Morgens auf dem Pirschgang, bei vollkommen kaltem Blut, das junge fremde Mädchen draußen angetroffen.
„Aber wo steckt denn nur eigentlich die Margareth?“ sagte da die Frau Oberförsterin fast ärgerlich — „schon seit einer vollen Stunde habe ich sie mit keinem Auge gesehen.“
„Die wird sich in ihren Staat werfen,“ lachte der Oberförster. „Hast Du doch selber heute Morgen drei volle Stunden zu dem Deinigen gebraucht, Alte.“
„Fehlgeschossen, Herr Onkel!“ rief da plötzlich eine lachende Mädchenstimme, und als sich Raischbach blitzschnell darnach umdrehte, hätte er laut aufjubeln mögen vor Lust und Seligkeit, denn vor ihm, das Gesicht aber jetzt wie mit Purpur übergossen, stand sein „Waldweible“, die er monatelang vergebens gesucht, mit einem frischen Waldblumenkranz im Haar, und sah in ihrer halben Verlegenheit so frisch, so lieblich aus, daß er hätte auf sie zuspringen und sie vor allen Leuten an’s Herz drücken mögen — ein ganz natürliches Gefühl übrigens, das andere Menschen wohl ebenfalls dann und wann überkommt, wenn sie einem so lieben Mädchengesicht begegnen — selbst wenn sie noch nicht so viel und oft davon geträumt haben wie der junge Forstmann.