„Soll mich der Teufel holen, die Margareth!“ rief der Alte ganz verdutzt aus.

„Frau Försterin Raischbach,“ stellte sie aber der junge Mann jetzt förmlich vor, als nun auch die Frau Försterin und die alte Lisei, die eben das Kaffeezeug abräumen wollte, herankamen um zu sehen, was es da gäbe. Gehörte doch ein Fremder auf der Forstei ohnedies zu den größten Seltenheiten, und die Frauen bekamen jetzt die schönste Gelegenheit, um die Hände über dem Kopf zusammen zu schlagen. — Aber das war nun auch ein Gratuliren und Wünschen und Küssen und Drücken und Erzählen, und die Lisei stürzte vor allen Dingen in die Küche, um wieder einen frischen Topf mit Kaffee anzusetzen.

Raischbach mußte indeß erzählen, wie es so rasch mit seiner Heirath gekommen sei, und da erfuhren sie denn, daß er, als er sich von Margareth wieder getrennt sah, kurzen Prozeß gemacht habe und selber nach Schmalkalden hinübergefahren sei, um bei ihrem Vater um ihre Hand anzuhalten. Vor vierzehn Tagen sei nun Trauung gewesen und sie selber noch auf der Hochzeitsreise, und jetzt wollten sie, ehe sie nach Hause zurückkehrten, erst ihre Freunde im Spessart und — den alten Platz besuchen, wo sie sich zum ersten Mal gesehen.

„Und was für ein hübsches Frauchen haben Sie sich ausgesucht, Herr Förster,“ sagte die alte Lisei, die mit gefalteten Händen vor dem jungen Paar stand und es mit ordentlich mütterlicher Liebe betrachtete.

„Ja, Lisei,“ lachte Raischbach, „das ist aber auch kein gewöhnliches Menschenkind, sondern ein echtes Waldweible, das ich mir aus dem Fuchsbau geholt und zu meiner Frau gewonnen habe, und die kennt den wilden Jäger, den Grafen Hackelnberg, den Hans Jagenteufel, die schöne Berchta und die alte Urschel ganz genau, von Jugend auf.“

„Gott sei uns gnädig!“ sagte die alte Frau erschreckt, denn sie hielt etwas Derartiges gar nicht etwa für unmöglich. Margareth aber ging zu ihr, reichte ihr lächelnd die kleine Hand und sagte herzlich: „Glauben Sie dem wilden Menschen kein Wort. Fühl’ ich mich an wie eines von den Gespenstern, die er in seinem Fiebertraum gesehen? Aber am Fuchsbau, wie der Platz ja wohl heißt, hat er mich allerdings im Wald gefunden, und eines Försters Kind und Frau bin ich auch, also ein Waldweible, wenn wir’s so nennen wollen.“

„Und erinnern Sie sich noch, Herr Förster,“ rief da Raischbach, „was Sie mir an dem Morgen, wo ich den Prachtbock geschossen hatte, sagten? — ich habe die Worte bis auf den heutigen Tag nicht vergessen: ‚Heute sollten Sie in die Lotterie setzen, Raischbach,‘ meinten Sie, ‚denn daß Sie dem Bock begegnet sind, zeigt, daß Ihr Glückstag ist.‘ — Nun, das hab’ ich an dem nämlichen Tag gethan, und wie Sie sehen, hier das große Loos gewonnen.“

Es bleibt kaum noch etwas zu erzählen. Daß Raischbach und seine junge Frau „im Bau“, wohin er mit ihr am nächsten Morgen zu Fuß hinüberging und ihr dabei auch unterwegs die Stelle zeigte, wo er damals in den Fels gekrochen — mit Jubel empfangen wurde, versteht sich von selbst. Drei volle Tage blieb er auch dort und bei Buschmann’s, und erst als sein Urlaub abgelaufen war, fuhr das junge Paar durch den schönen rauschenden Wald, und jetzt nur Glück und Liebe im Herzen, der Heimath — dem „eigenen Herd“ entgegen.

Der ältliche Herr.
Eine Badeskizze.