In Bad Ems stand die Saison in voller Blüthe und der Platz war seit langer Zeit nicht so besucht gewesen, wie in diesem Jahre. Dazu begünstigte das außerordentlich freundliche Wetter nicht allein die Kur, sondern verstattete auch den Patienten, oder besser gesagt Badegästen, die weitesten Ausflüge in die Nachbarschaft, in der sich reizende Partieen nach allen Seiten machen ließen.

Früh Morgens wogte dann auch — während die nassauische Militairmusik unermüdlich, von ihrem Dirigenten selbst componirte Potpourris spielte — die Schaar der Lustwandelnden auf der Promenade auf und ab, während Mittags und Nachmittags — bis das Abendconcert wieder begann, der Hauptplatz wie ausgestorben schien.

Das war dann die Zeit, wo die geputzten Menschen — auf Eseln oder zu Fuß — in die schattigen Berge hinaufkletterten, um auf den Höhen zu lagern und von dort den sonnigen Badeplatz aus der Vogelperspective zu betrachten.

Nur im Spielsaale wurde es nicht leer. Die Gier nach dem dort roulirenden Gold regte die Leidenschaften auf, und was das heilkräftige Wasser am Morgen genützt, zerstörte Mittags wieder der grüne Tisch. — Was kam auch eigentlich darauf an, ob die Kranken das Bad geheilt verließen — die Actien der Spielbank stiegen von Jahr zu Jahr, und daß Schweiß und Blut an dem Gelde klebte, machte dem französischen Gesindel und seinen vornehmen Beschützern wenig Sorgen.

Wol muß einmal die Zeit kommen, wo dieser Fluch unserer Civilisation ausgerottet und jene Bande von Croupiers aus dem Lande und über ihre Grenze gejagt wird, und dann werden wir nicht begreifen können, wie es möglich war, sie so lange zu dulden. Jetzt aber grünt und blüht sie noch in unseren reichsten Gauen, und wenn sie im Herbste ihre geldgefüllten Koffer nach Frankreich hineinschleppt, lacht sie der Thoren, die sie auf der Leimruthe gefangen und gerupft.

Gott bessere es!

In Ems, wie im ganzen nassauischen Lande blühte ihr Geschäft aber noch flott, und während draußen der helle Sonnenschein auf den Bergen lag, und die Vögel zwitscherten und sangen und der blaue Himmel sich über die Erde spannte, drängte sich ein dichter Schwarm von Spielern um den grünen Tisch im reich geschmückten Saale, um mit lautlosem, peinlichem Schweigen den Urtheilssprüchen zu lauschen, die ihnen Glück oder Unglück kündeten.

Aus dem Saale trat ein junger Mann — er sah bleich und erregt aus und der stiere Blick flog unstät über den freien Raum. Grade in der Thüre begegnete er einer Gruppe von Herren und Damen, die eben die Spielhölle betreten wollten. Er sah sie aber gar nicht und drängte sich, die glanzlosen Augen am Leeren haftend, zwischen ihnen durch auf die Promenade.

Die Gesellschaft blieb stehen und sah ihm nach.