Indessen breitete sich die Nachricht über das beabsichtigte Vergehen blitzschnell in der Nachbarschaft aus. In einem Badeorte hat, die Kellner und Köche ausgenommen, Alles Zeit, und selbst das unbedeutendste Außergewöhnliche ist willkommen, um für einen Moment die Monotonie des Badelebens zu unterbrechen.

An beiden Ufern sammelten sich die Neugierigen, und als der wieder auf’s Trockene gebrachte arme Teufel abgeführt wurde, drängten die auf der anderen Seite Befindlichen rasch über die Brücke, um den interessant gewordenen jungen Mann auch einmal in der Nähe zu betrachten und nachher genau erzählen zu können, wie er ausgesehen habe.

Die beiden jungen Damen hatten indessen neben dem abgeworfenen Rocke und Hute des Fremden gestanden, was Beides noch auf dem Boden lag. Die Jüngste von ihnen bemerkte aber in der aufgekehrten Brusttasche des Rocks eine grünsaffiane Brieftasche, und als die vielen Leute vorüber eilten und Einige sogar auf den Rock traten, bückte sie sich unwillkürlich und hob ihn und den Hut auf. Der edle junge Mann, der so rücksichtslos sein Eigenthum von sich geworfen hatte, nur um einem anderen, jedenfalls fremden Menschen zu helfen und ihn zu retten, durfte doch nicht auch noch, als Dank für seine wackere Gesinnung, zu Schaden kommen. Es war das Wenigste, was sie für ihn thun konnten, daß sie Acht auf das Verlassene hatten.

Ihr älterer Begleiter kam jetzt ebenfalls heran und lächelte spöttisch, als er die junge Dame mit dem Rock und Hut des Fremden auf der Brücke stehen sah.

„Du siehst wirklich gut aus, Elise,“ sagte er, „und trägst Deine Last mit Würde.“

„Ich konnte doch die Sachen nicht auf der Brücke liegen lassen,“ erwiderte die junge Dame erröthend — „es liefen so viele Menschen vorüber und erst neulich las ich in einer Zeitung, daß ein junger Mann, der in einem ähnlichen Falle in Berlin einen Anderen aus dem Flusse gezogen, bei seiner Rückkehr keines der abgeworfenen Kleidungsstücke wiedergefunden habe.“

„Dagegen wolltest Du diesen jungen Herrn also sicher stellen?“ nickte ihr Begleiter, wo möglich noch spöttischer als vorher — „dann amüsire Dich gut, mein Kind — ich werde mit Bertha indessen voran in’s Hôtel gehen, denn Du darfst doch keinenfalls den Platz verlassen, bis Dein Schützling zurückgekehrt ist.“

„Da kommt er schon,“ rief Bertha, die andere junge Dame, „lieber Gott, wie naß er aussieht!“

„Wie eine gebadete Maus,“ lachte der ältere Herr — „ich würde Dir aber rathen, mein Kind, die Sachen wenigstens niederzulegen, Du kannst ja daneben stehen bleiben — oder willst Du sie ihm feierlich als ‚weiß gekleidete Jungfrau‘ überliefern?“

„Du bist unausstehlich heute,“ sagte das junge Wesen, indem sie tief erröthete, in aller Verlegenheit aber die Sachen doch neben sich auf den Boden legte. Das geschah aber zu spät, als daß es der jetzt auf die Brücke tretende Fremde nicht noch hätte bemerken müssen. Er wußte deshalb, wer sich seiner Sachen angenommen, und als er näher kam, sagte er — in seiner nassen Toilette doch auch ein wenig befangen: