„Wenn ich nicht irre, meine Gnädigste, so habe ich in diesem Augenblicke das Vergnügen, jene — jene — jene holde Dame wieder vor mir zu sehen, der ich, bei dem neulichen kleinen Zufall, zu so vielem Danke verpflichtet bin, ohne bis jetzt im Stande gewesen zu sein, demselben die passenden Worte zu geben.“

Florian Heldenstern war „lyrischer Dichter“ und dadurch berechtigt, die unsagbarsten Gefühle auf seine eigene Art und Weise auszudrücken. Die junge Dame aber erröthete noch weit mehr, und nur der ältliche Herr schien seine volle Fassung zu bewahren, denn er sagte mit seiner vollen wohlklingenden Stimme und nur etwas fremdartigem deutschen Dialekt:

„Ah, mein Herr, Sie sind ja wohl der neuliche Lebensretter jenes verzweifelten Spielers. Nicht wahr, Sie sprangen neulich in die Lahn und gaben sich die sehr verlorene Mühe, jenen Selbstmörder dem Leben zu erhalten?“

„Mein Herr,“ sagte Florian sehr achtungsvoll, aber doch mit dem Gefühle gekränkter Menschenwürde — „verlorene Mühe? — Der Mann ist gerettet worden.“

„Allerdings,“ lächelte der Fremde — „aber bitte, wollen Sie nicht bei uns Platz nehmen, denn die beiden Damen haben schon lange gewünscht, Ihre nähere Bekanntschaft zu machen.“

„Ich wäre zu glücklich, wenn —“ stammelte Florian und sah sich dabei vergebens nach einem Stuhl um, den ihm aber ein aufmerksamer Kellner brachte.

„Sie wissen,“ fuhr aber der ältliche Herr fort, „Damen interessiren sich gewöhnlich für alles Außergewöhnliche — besonders in einem so langweiligen Nest wie dieses Ems ist, und Sie haben sich da jedenfalls ein Verdienst erworben.“

„Es war nur Menschenpflicht,“ sagte Florian bescheiden.

„Nein, ich meine nicht um den leichtfertigen Patron, der sein Leben so billig losschlug, weil er wohl am besten den Werth desselben kannte, sondern um die Badegesellschaft, der Sie damit auf wenigstens zwei Tage so sehr nöthigen Stoff zur Unterhaltung gaben.“