„Sie mich vermissen,“ sagte Florian bitter, „Du lieber Gott, und was soll ich da sagen — und wie hatte ich mich darauf gefreut, gerade jetzt noch mit Ihnen zu verkehren.“
„Gerade jetzt?“ frug Elise etwas erstaunt.
„Ich bin Ihrem Wunsche nachgekommen,“ fuhr Florian, zu ihr aufblickend, fort — „ich habe einen größeren Roman begonnen. Ich fühlte mich die ganze Zeit in einer so gehobenen — so seligen Stimmung, daß die Feder kaum der entfesselten Phantasie zu folgen vermochte, und jetzt — da ich Ihren Rath — Ihren Beifall brauche — wollen Sie fort — fort vielleicht auf immer.“
„Meinen Rath?“ sagte Elise kopfschüttelnd, „und wie könnte ich Ihnen bei einer solchen Arbeit einen Rath geben?“
Florian sah sie mit einem forschenden Blicke an. Ein plötzlicher Gedanke zuckte durch sein Hirn. Sollte er das Geständniß der ihn fast verzehrenden Liebe in seinem Herzen verschließen? Hätte sie ihn nicht selber für verzagt halten müssen und kam sie ihm nicht schon durch die Frage auf halbem Wege entgegen?
„Ich befinde mich gerade in einem sehr schwierigen Capitel,“ erwiderte Florian, jetzt plötzlich zum Aeußersten entschlossen — „ich habe die schüchterne Liebe eines jungen Mannes zu der Auserwählten geschildert — seinen Kampf mit sich — seine Furcht, es ihr zu gestehen.“
„O, das muß so interessant sein,“ sagte Elise.
„Sein Schwanken, ob er sie fliehen,“ fuhr Florian fort — „und unsagbar elend werden oder sich ihr zu Füßen werfen solle und ihr die ihn verzehrende Leidenschaft bekennen.“
„Das muß er doch unbedingt thun,“ rief die junge Dame rasch.
„Ja,“ sagte Florian mit gepreßter Stimme — „auch ich fühle, wie nothwendig das ist. Denn diese Ungewißheit würde er auf die Länge der Zeit nicht ertragen können, aber — ich befinde mich dabei in einer schwierigen Situation, denn — ich kann mich recht gut in die Lage und Gefühle des Jünglings versetzen, aber — nicht in die der Jungfrau. Ich weiß nicht genau, wie sie sich in einem solchen Moment benehmen — was sie denken, was sie sagen würde.“