„Also dann beginnen Sie,“ nickte Elise, still vor sich hin lächelnd; „schade nur, daß Bertha nicht da ist, die könnte mich unterstützen.“

Florian war darin anderer Ansicht, aber in diesem Augenblick wirbelte es ihm auch durch Kopf und Herz; er wechselte in dem Ansturm seiner Gefühle mehrmals die Farbe, und wieder kam ihm die schon frühere Empfindung des Erstickens, bis er endlich entschlossen die Zähne aufeinander setzte. Es mußte sein, und mit dem Bewußtsein griff er den abgelegten Hut wieder auf, that als ob er eben erst in die Thüre träte und sagte:

„Mein Fräulein, der Drang des Augenblicks mag mein plötzliches Erscheinen entschuldigen. Aber die furchtbare Nachricht hat mich ereilt, daß Sie uns verlassen wollen, und nicht vermochte ich in dem Bewußtsein der Leere, die fortan mein ganzes Leben ausfüllen würde —“

„Aber bester Herr Heldenstern,“ unterbrach ihn lächelnd Elise — „ich bin allerdings der deutschen Sprache nicht so vollkommen mächtig, aber — kann man denn mit Leere etwas ausfüllen?“

Florian war durch die Zwischenfrage ganz aus seinem Concept gekommen. Was lag jetzt an einem Worte, an einer Redensart, wo sein ganzes Lebensglück auf dem Spiele stand, und Elise saß ihm dabei so ruhig gegenüber. Sollte er sich getäuscht haben? sollte sie nicht ahnen, was in seinem Herzen vorging, und wie das Geständniß seiner „unsagbaren“ Liebe eben im Begriffe sei, über seine Lippen zu quellen?

„Sie haben Recht, mein Fräulein,“ stammelte er, „aber entschuldigen Sie den falschen Ausdruck mit der Erregung des Augenblicks — ich wußte nicht, was ich sagte — ich weiß es noch nicht — aber nur Eines — Eines auf dem ganzen Erdenrunde weiß ich,“ rief er — und jetzt ging der Renner wieder ordentlich mit ihm durch, denn er warf sich leidenschaftlich dem verführerischen Wesen zu Füßen — „Eins nur, daß ich Sie liebe und anbete — daß ich nicht leben kann ohne Sie, daß ich verzweifeln müßte, wenn Sie sich jetzt in diesem Augenblicke von mir abwenden und mich in mein leeres Nichts zurückstoßen würden.“

Er hatte dabei ihre Hand gefaßt, die er mit seinen Küssen bedeckte. Er sah und hörte auch nicht, wie in diesem Moment gerade die Thüre sich öffnete und der ältliche Herr, allerdings mit einem unverkennbaren Ausdrucke des Erstaunens, sonst aber vollkommen ruhig und leidenschaftslos auf der Schwelle stand und die Gruppe betrachtete.

„Allerliebst,“ sagte er jetzt, als Florian schwieg; „ist das etwa eine Abschiedsscene?“

„Nur eine Probe, Olaf,“ lächelte die junge Fremde, aber eben so unbefangen und ruhig, als sie bis jetzt das Ganze hingenommen. „Herr Heldenstern probirt eine Scene seines neuen Romans.“

„Nein — nein,“ rief aber dieser jetzt, nicht mehr im Stande, die einmal losgebrochenen Gefühle in ihr altes Bett zurückzudämmen, denn selbst die Erscheinung des Fremden dämpfte nicht die Gluth. „Wahrheit ist’s, furchtbare beseligende Wahrheit, und Glück oder Elend meines ganzen Lebens hängt an dieser Stunde. Herr Olaf,“ fuhr er fort, indem er in die Höhe sprang und sich an diesen wandte, „nicht vermögend, die Scheu zu bewältigen, die mich in der Nähe dieses Engels erfaßte, trieb es mich, zu schnöder List meine Zuflucht zu nehmen und ihr unter der Maske eines fingirten Romans meine Liebe zu gestehen. Der Roman war Erdichtung, aber nicht die Liebe selber. Ich bitte Sie um die Hand Ihrer Tochter.“