In Osterhagen hatte es der Assessor aber auch nicht versäumt, das Gemeinde-Haus zu besuchen, wo er Brenner noch auf seinem Lager traf und sich natürlich mit ihm in ein längeres Gespräch einließ. Der alte Bursche aber, der bald genug den Polizeimann und Criminalbeamten in ihm erkannte — denn er hatte mit derlei Herren wohl mehr Erfahrung gesammelt, als er gewöhnlich gern eingestand — war anfangs ungemein scheu und zurückhaltend und beantwortete alle an ihn gerichteten Fragen außerordentlich vorsichtig. Erst als der Assessor — denn von Valerie’s Herkunft wußte er natürlich gar nichts — das Gespräch auf den Schulzen und die Behandlung der Gefangenen dort im Hause brachte, wurde er warm, und entwarf jetzt eine so düstere Schilderung von den Leuten, daß der Beamte wohl merken mußte, es lauere auch viel eigener Haß in dem Bericht. Brenner behauptete auch dabei mit der größten Bestimmtheit, daß die „Falleri“ unschuldig an dem Brande sei — sie wäre noch den Abend spät auf dem Gottesacker und dann bei ihm im Hause gewesen und nachher schnurstracks in die Stadt hinüber gegangen.

„Und woher wißt Ihr das, Mann?“ frug der Assessor.

„Woher ich das weiß?“ rief Brenner; „weil’s die Falleri gesagt hat, und die hat noch nie in ihrem Leben gelogen; eher bisse sie sich die Zunge ab.“

„So“, nickte der Beamte, „wenn Ihr das also selber bestätigt, so werdet Ihr auch wohl glauben müssen, daß die Edmund das Haus angezündet, denn sie hat es selber vor Gericht gestanden.“

„Den Teufel hat sie!“ schrie der alte Bänkelsänger und fuhr erschreckt in seinem Bett empor — „aber das ist nicht möglich!“

„Nicht möglich? — und weshalb nicht?“

„Hm“, knurrte der Alte, „möglich ist Alles auf der Welt, selbst, daß ich noch einmal hunderttausend Thaler in der Lotterie gewönne, aber — die Falleri hätte selber freiwillig gestanden, daß sie den Schulzenhof angezündet?“

„Das hat sie — frei und unaufgefordert im ersten ordentlichen Verhör; denn nur als sie zuerst eingebracht wurde, wollte sie nichts davon hören. Aber das ist die alte Geschichte, und soviel werdet Ihr auch selber wissen, daß man, wenn eben aufgegriffen, nicht gleich in’s Blinde hinein gesteht. Man muß doch erst erfahren, wie der Hase läuft.“

Der Alte warf dem Assessor einen halb pfiffigen, halb lauernden Blick zu, aber die wirkliche Sorge um das junge Mädchen verdrängte doch rasch alle anderen Gedanken.

„Es ist nicht denkbar“, sagte er dann, mehr zu sich selber als zu dem Fremden redend und immer dabei mit dem Kopf schüttelnd, „gar nicht denkbar. Ja, Ursache genug hätte sie dazu gehabt, um auch zuletzt einen Hasen auf den Mann zu treiben, Ursache die langen Jahre hindurch, die sie’s ertragen und keinen Mucks dabei gethan, — aber, — es wäre doch zu merkwürdig und — ich glaub’s nicht.“ —