„Brummer heißt der Herr? Merkwürdig!“ nickte Brenner; „paßt aber gar nicht. Er läßt ja gerade die Andern brummen und brummt nie mit.“
„Thut er nicht, du alter Schlaukopf?“ lächelte der Gefängnißwärter, der die Worte gehört hatte, „und brumme ich nicht etwa hier in dem verdammten Nest das ganze Jahr, Sonn- und Feiertage, während die Vögel ein- und wieder ausfliegen. Wer ist da eigentlich der Brummer, he?“
„Können Recht haben, verehrter Herr“, nickte der Alte, „habe eigentlich nie so tief darüber nachgedacht. Wenn Sie jetzt vielleicht so gefällig wären —“
„Mit Vergnügen“, nickte der Mann, „und auch wohl für längere Zeit, wenn’s sein müßte. Platz genug ist da.“
„Möchte Ihnen doch nicht gern beschwerlich fallen“, sagte der Bänkelsänger, während Herr Brummer die Riegel zurückschob und die Thür dann aufschloß.
„Hier Edmunden, da kommt Besuch“, sagte er dann, ließ Brenner eintreten und verriegelte die Thür wieder hinter ihm, ohne sie jetzt aber abzuschließen.
Valerie saß auf ihrer Pritsche, ein kleines Gebetbuch in der Hand, das man ihr auf ihre Bitten gegeben hatte — es waren Witschel’s Morgen- und Abendopfer — und ihre großen dunklen Augen hafteten auf den Zeilen, als sie das erste Klirren der Riegel hörte. Sie veränderte auch ihre Stellung nicht, als sich die Thür öffnete; der Schließer kam manchmal herein, um ihr Wasser oder Brot zu bringen, aber er sprach selten oder nie mit ihr. Sie erschrak jedoch, als sie das Wort Besuch vernahm. Wer konnte sie besuchen? Trotzdem färbten sich einen Augenblick ihre Wangen, als sie den alten Brenner erkannte, und ihm die Hand entgegenstreckend, sagte sie herzlich:
„Wie mich das freut, daß Sie mich nicht ganz vergessen haben.“
„Hm“, brummte der Alte in augenscheinlicher Verlegenheit, indem er einen scheuen flüchtigen Blick in dem Gemach umherwarf — „vergessen, Falleri? Ich habe immer an Dich gedacht, Kind, Tag und Nacht, und hier — kommt’s mir auch beinahe wieder so vor, als ob wir zusammen im Gemeinde-Haus säßen; die “Stube„ hier sieht genau so aus, wie die leeren Wände da drüben. Aber wir dürfen die Zeit nicht mit Redensarten vergeuden, denn ich habe nur eine Viertelstunde Erlaubniß und — möchte eine Frage an Dich richten, Falleri.“