„Wenn ich nur so was nicht hören müßte“, brummte der Alte ärgerlich. „Wer sich selber hilft, dem hilft Gott, muß es heißen; selber mit anfassen muß man und nachher — geht’s auch nicht immer, aber man versucht’s doch wenigstens. Versprich mir’s, Falleri; ich hätte sonst keine Ruhe und — machte am Ende noch einen dummen Streich.“

Das junge Mädchen schüttelte ernst mit dem Kopfe, aber es blieb ihr keine Zeit zu einer weiteren Erwiederung, denn der Riegel wurde in diesem Augenblick wieder zurückgeschoben, der Gefängnißwärter sah herein und sagte:

„Nun, alter Schwede, Deine Zeit ist um; mach’ Dich auf die Socken.“

Der Bänkelsänger warf einen unschlüssigen Blick auf Valerie, aber er wußte recht gut, daß gegen den Befehl keine Einrede half; der Mann that nur seine Pflicht, und wich auch von der nicht ab — außer, er hätte vielleicht die Mittel besessen, ihn zu veranlassen, seine Uhr um zehn Minuten zurück zu stellen. Brenner befand sich aber gerade nicht bei Kasse, und deshalb seinen alten Hut aufgreifend, sagte er trocken:

„Was sein muß, muß sein, aber Falleri, überleg’ Dir die Sache und thu’s mir zu Liebe.“

„Wer war’s denn, der bei dem Brand verunglückt ist?“ frug Valerie, während sie ihm die Hand zum Abschied reichte.

„Oh, weiter Niemand,“ sagte Brenner, obgleich ihm die Frage nicht angenehm zu sein schien, „als der Hans von Baumstetter’s und der Peter von des Schulzen Hof.“

„Die beiden Einzigen, die manchmal freundlich mit mir waren,“ nickte das junge Mädchen; „arme Menschen!“

„Wer kann’s ändern,“ rief der Alte, „heute mir, morgen Dir; es hat so sein sollen, und Du brauchst Dir deshalb keine Gewissensbisse zu machen.“

„Na wird’s bald?“ rief Brummer, in der Thür stehend; „glaubt Ihr, daß ich weiter nichts zu thun habe, als auf Euch zu passen?“