Damit löste er, ohne an die Warnung des Försters zu denken, den Hund von der Leine, der sich vor Ungeduld kaum lassen konnte. In dem Moment aber, wo er sich frei fühlte, sprang er schon winselnd auf der breiten Schweißspur fort und war im nächsten Augenblick in der Felsspalte verschwunden. Dort aber gab er augenblicklich Laut, der Fuchs mußte wirklich unmittelbar am Eingang gesessen haben und mit dem kleinen muthigen Hund sogleich handgemein geworden sein. Der Kampf zog sich aber etwas weiter in die Höhle, indeß nicht so weit, daß nicht Raischbach, der vergnügt lauschend davor stand, jeden Ton, jedes Knurren hätte hören können. — Jetzt plötzlich war Alles ruhig. Der junge Forstmann horchte — nichts regte sich mehr. Der Dachshund mußte den Fuchs todt gebissen haben und dann zerzauste er ihn erst eine Weile.
„Dachs!“ rief Raischbach hinein, „komm’ heraus, mein Hund — hier, Dachs! so schön, mein Hündchen!“
Er horchte wieder, und es war ihm fast, als ob er ein leises Winseln höre. Er pfiff jetzt, aber keine Antwort — er pfiff stärker — Alles vergebens, weder von Fuchs noch Hund mehr ein Laut, und der Jäger stand kopfschüttelnd vor dem Bau und wußte nicht, was er daraus machen sollte. In solchen Fällen dauert es aber manchmal eine lange Weile, bis der Hund wieder zum Vorschein kommt, und Raischbach wartete deßhalb auch wohl eine volle Stunde geduldig, aber immer umsonst, und das wurde ihm zuletzt langweilig.
„Ei zum Wetter,“ brummte er endlich zwischen den Zähnen durch, „ich kann doch hier wahrhaftig nicht den ganzen Tag im Schnee hocken bleiben, und der Hund kommt nicht — wenn ich nun selber einmal dort hinein krieche? breit und hoch genug ist die Spalte, aber auch stockdunkel drin. Wart, da draußen, gar nicht weit, stehen ein paar Klafter Kiefern, Scheit und Stöcke, an denen ist eine Masse Kien, wie ich neulich gesehen habe, und da wollen wir bald eine Fackel zurecht machen. Es geht Alles in der Welt, wenn man es nur gescheidt anfaßt — vielleicht kommt auch bis dahin der Dachs von selber heraus und bringt den Fuchs mit; denn drin läßt er ihn nicht, wenn er todt ist, das weiß ich gewiß.“
Mit dem Entschluß drehte er sich auch schon um und schritt in seinen Fährten zurück wieder dem Eingang zu, ging von dort querüber der Stelle zu, wo er das geschlagene Holz wußte, und hatte auch bald gefunden, was er suchte. Einige der Scheiter, von denen er natürlich erst den Schnee abschütteln mußte, waren außerordentlich fett und kienhaltig, und mit seinem Hirschfänger hieb er sich rasch und leicht eine ganze Partie Spähne herunter, mit denen er eine vortreffliche Fackel herstellen konnte. Damit eilte er denn, so rasch er konnte, wieder zu dem Bau zurück, legte draußen Gewehr und Jagdtasche ab, was er beides da drinnen nicht gut brauchen konnte, nahm erst noch einen tüchtigen Schluck Branntwein aus der Flasche, entzündete dann seine rasch zusammengebundene Fackel, während er ein paar andere starke Spähne noch in der linken Hand hielt, und kroch dann, als er erst laut, aber wieder vergebens, seinem Hund gepfiffen, ohne Zögern in den Bau hinein.
Zuerst überkam ihn in dem dunklen Loch, in dem die Fackel ihr rothes Licht verbreitete, ein merkwürdiges Gefühl, und lachend dachte er bei sich: „Wenn jetzt mein alter Förster und besonders die Lisei wüßte, daß ich in dem Fuchsbau umherkröche, um dem wilden Jäger und den Erdweiblen einen Besuch abzustatten, wie die die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden! — Erdweible, hem: na hier wohnt das hübsche Mädchen wahrhaftig nicht, das ich damals da oben getroffen — wo nur der verdammte Dachs steckt!“
Wieder pfiff er leise, um eine Antwort von seinem Hund zu hören, und hob die Fackel so hoch das gehen wollte empor, damit sie den düsteren Raum etwas besser beleuchtete — aber nichts war zu hören noch zu sehen, und kopfschüttelnd kroch er weiter in die Nacht hinein.
Die Felsspalte lief hier schräg in die Wand, als er aber auf den Boden leuchtete, erkannte er deutlich die Schweißspur des angeschossenen Fuchses. In der richtigen Bahn war er jedenfalls; hier erweiterte sich auch die Höhle etwas, und er hob wieder seine Kienfackel in die Höhe und that noch einen Schritt vor. Da rutschte plötzlich der Boden unter seinen Füßen weg, er griff schnell mit beiden Händen aus, konnte sich aber an der schlüpfrigen Wand nicht halten und stürzte im nächsten Momente schon in eine, wie er glaubte, bodenlose Tiefe hinab.
[C] Ein „Neues“, ein frischer Schnee in der Jagdsprache.