Das war ein Sturz! Dem jungen Forstmann knackten alle Knochen, als er unten ankam, und im ersten Moment schien es ihm, als ob das ganze Gewölbe von Myriaden Sternen und Leuchtkugeln brillant erhellt wäre. Dann schwanden ihm die Sinne und er wußte gar nicht, wie lange er mochte so gelegen haben, als er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter fühlte und eine leise freundliche Stimme hörte, die sagte: „Schau’, schau’, das ist wahrlich der junge Jäger aus dem Wald da droben. Aber wie kommt der hier herunter zu uns, und wie bleich er aussieht und wie blutend — armer Mensch“ — und Raischbach war es, als ob sich eine leichte weiche Hand auf seine Stirne gelegt hätte. Ueberrascht schlug er auch jetzt die Augen auf und schaute verwundert um sich her, denn er befand sich in einer hohen, geräumigen, aber auch hell erleuchteten Halle, aus deren Felsspalten zahllose kleine Flammen in regelmäßigen Zwischenräumen hervorbrachen. Ueber ihn gebeugt aber, das liebe, herzige Gesicht von Mitleiden erfüllt, erkannte er die fremde Maid im Walde — genau so wie er sie damals im Sonnenlicht gesehen, nur daß sie ihm jetzt noch tausendmal lieber und schöner vorkam, und sich auch nicht im Mindesten vor ihm zu fürchten schien.

„Ja aber wie ist mir denn?“ rief er und richtete sich erstaunt auf seinem Ellbogen empor — „wo bin ich denn hingerathen und wer bist denn Du, Du liebes Kind, mit Deinen großen guten Augen, das ich die langen Monate da oben immer und immer umsonst gesucht habe und nirgends finden konnte?“

„Schau’ wie Du lügst!“ lachte das junge Wesen schelmisch — „mich hättest Du gesucht? so? aber ich weiß es besser, dem alten starken Bock bist Du zu Gefallen gegangen, dem mit dem starken Gehörn auf, aber nicht mir. Gelt ich hab’ recht? — Den aber erwischst Du schon nicht — wär’ auch schad drum, denn er ist der schönste im ganzen Gebirg.“

„Und wohnst Du denn hier unten im Berg?“ frug der junge Mann, der sich noch immer nicht von seinem Erstaunen erholen konnte.

„Nun?“ meinte das Mädchen, „hab’ ich’s Dir denn nicht damals gesagt, daß ich im Bau wohne? Du hast’s wohl nicht geglaubt. Aber willst Du da auf der feuchten Erde liegen bleiben? Warum stehst Du denn nicht auf und kommst mit?“

„Mit? wohin?“

„Nun, in unsere Stadt — wie Du sonderbar fragst. Du glaubst wohl, wir hausen hier unten in Höhlen und Erdlöchern wie die Füchse?“

„Sonderbar,“ murmelte Raischbach vor sich hin, indem er aber doch ihrer Aufforderung Folge leistete und sich emporrichtete. Es ging auch; Anfangs war’s ihm gewesen, als ob er bei dem Sturz Arm und Bein gebrochen haben müsse, jetzt aber fühlte er nicht den geringsten Schmerz, ja sich im Gegentheil so leicht und frisch, als ob seine Füße kaum den Boden berührten.

„So,“ sagte das Mädchen, als sie sah, daß er wieder aufrecht stand, „nun wasch’ Dir erst einmal an der Quelle da das Blut ein wenig aus dem Gesicht, denn sie brauchen drüben gar nicht zu wissen, daß Du Hals über Kopf zu uns herunter gepoltert bist, und dann wollen wir gehen.“

Der junge Forstgehülfe kam sich noch immer wie in einem Traum vor, aber er folgte doch dem Rath, und sich jetzt plötzlich wieder zu seiner Führerin wendend, frug er sie: „Aber wie heißt Du selber? Du hast mir ja Deinen Namen noch gar nicht genannt.“