„Wie Du willst — Marie ist noch kürzer — nenne mich Marie.“

„Ich wollte, Du hießest Margarethe.“

„Bist Du ein komischer Mensch — aber warte nur hier — ich bin gleich wieder da. Leg’ Dich derweil dort unter die Linde und ruh’ ein wenig aus. Du mußt ja auch müde vom vielen Herumlaufen geworden sein.“

Das Mädchen hatte recht; war es die dicke, schwere Luft, die ihm hier unten so das Gehirn zusammendrückte; waren es die vielen fremdartigen Bilder, die ganze unheimliche Umgebung. Er warf sich unter den Baum, und eine Zeitlang kam es ihm vor, als ob Alles in einem wirren Kreislauf vor seinem inneren Blick vorüberflöge. Es wurde auch vollständig dunkel um ihn her, und dann war es ihm wieder, als ob ihn der Kreiser Metzler bei Namen riefe und er antworten wolle und nicht könne.

Fünftes Kapitel.
Beim wilden Jäger.

Er mußte jedenfalls eingeschlafen sein, denn plötzlich fühlte er wieder des Mädchens weiche Hand auf seiner Schulter, und diese rief: „Ei, das lass’ ich gelten; am hellen Tage schläfst Du wie ein Dachs. Ich machte mir schon Vorwürfe, daß ich Dich so lang allein gelassen, aber ich hätte wohl noch länger wegbleiben dürfen.“

„Ach, Marie!“ rief Raischbach, ordentlich erschreckt emporfahrend, „ich glaube wirklich, daß ich eingeschlafen bin.“

„Ja, ich glaub’s auch!“ lachte diese. „Du hast geschnarcht wie ein Dachs — aber jetzt komm’, es ist spät geworden; denn wenn wir noch erst in die Wolfsschlucht wollen, kommen wir nachher gar so lang nicht heim.“

„Aber was sollen wir in der Wolfsschlucht? Ich bleib’ viel lieber bei Dir.“

„Wirklich? Doch das geht nicht an. Das Fräulein hat Dich eingeladen, und die würde schön bös auf mich werden, wenn ich Dich nicht dahin brächte. Da findest Du auch die ganze vornehme Welt von da unten, und der alte gute Eckardt freut sich gewiß, Dich kennen zu lernen. Er hat alle Menschen lieb und ihnen noch nie einen Schabernak oder gar ein Leides gethan.“