„Ach, heute giebt’s doch keine Partie mehr,“ brummte der Ebersberger, — „ich gehe auch mit! Vorwärts marsch!“

Der Hackelnberg, von dem Ebersberger dicht gefolgt, verließ das Zimmer und Raischbach schloß sich ihnen an. Unten im Vorsaal aber, ehe sie die Thür verließen, sah er Marie stehen, die ihm verstohlen, aber ängstlich mit der Hand winkte, nicht zu gehen. Raischbach zögerte jetzt wirklich unschlüssig einen Moment, aber der wilde Jäger mußte das auch bemerkt haben, denn rasch und zornig wandte er sich gegen das junge Mädchen, das sich scheu vor den funkelnden Augen des Wilden in eine Kammer zurückzog und nicht wieder zum Vorschein kam.

Im nächsten Moment befanden sie sich draußen auf der Straße und sahen sich auch schon dem mit Geweihen und Jagdschmuck gezierten Hause Hackelnberg’s gegenüber.

Raischbach blickte allerdings erstaunt umher, denn vorher war es ihm so vorgekommen, als ob das Haus viel weiter abseits gelegen habe, aber lange Zeit zum Ueberlegen blieb ihm doch nicht. Graf Hackelnberg schritt rasch über die Straße hinüber und stieß einen kleinen Gartenzaun auf, der von kläffenden, heulenden Rüden wimmelte. Das war auch ein Springen und Bellen und Winseln, als sie ihren Herrn kommen sahen, und nur gegen den Fremden wollten sie anknurren und ihn nicht vorüberlassen; aber ein Pfiff des wilden Jägers trieb sie alle scheu zurück, und jetzt öffnete sich ihnen die niedere Thür des kleinen Gebäudes und der junge Forstgehülfe betrat hier eine vollkommen neue Welt.

Schon der Hausflur zeigte die Jägerwohnung. Da hingen Seite an Seite die riesigsten herrlichsten Geweihe von Hirschen, wie sie Raischbach bis jetzt kaum für möglich gehalten hatte, dann ausgestopfte Eber- und Bärenköpfe, und die ganze in den oberen Stock hinaufführende Treppe war mit Wolfs- und Luchspelzen statt Teppichen dicht belegt. Und jetzt erst oben die abnormen Geweihe und Gehörne, eine Sammlung, von denen jedes einzelne Stück an der Oberwelt mit Gold aufgewogen worden wäre.

„He, Raischbach!“ lachte da der Hackelnberg, indem er sich nach seinem Begleiter umwandte und auf die eine Wand deutete, an der nur Rehbocksgehörne hingen, „das sind andere Kerle gewesen, als euer Bock oben im Wald, wie? — Seht Euch einmal die Drei da an.“

„Aber das sind doch keine Rehbocksgehörne!“ rief der Jäger fast erschreckt aus, als er die riesigen Stangen sah.

„Waren es nicht?“ lachte Hackelnberg — „ich habe sie aber alle zu meiner Zeit selber geschossen. Nehmt Euch eins zum Andenken mit.“

„Von den Gehörnen?“

„Gewiß; da könnt Ihr Staat mit machen, und ein besseres hat Niemand bei Euch da droben; kommt auch nicht mehr vor. Da drinnen hängen noch die Armbrüste, die wir damals geführt, denn da waren noch nicht die Knallgewehre erfunden, mit denen man jetzt einen Lärm im Walde macht, daß man es meilenweit hören kann. Nehmt Euch nur das Gehörn, wenn’s Euch Spaß macht, zum Andenken an den Hackelnberg.“