„Komisch? Nein,“ sagte der Doktor, „aber — es ist etwas, was ihr nicht Alle begreift, was auch ein Zweiter und Dritter eigentlich begreifen kann, denn es steht mit jenem unbekannten Etwas in Verbindung, das uns umgibt, und das wir trotzdem mit unseren groben Sinnen nicht im Stande sind zu erfassen.“
„Ich verstehe kein Wort davon,“ sagte der Apotheker kopfschüttelnd.
„Na gut, Ohlers, Du sollst es wissen,“ nickte Peters endlich, zum Aeußersten entschlossen, „aber thu’ mir die einzige Liebe und lach nicht, denn die Sache ist wirklich nicht komisch, da sie mich elend und unglücklich macht mein ganzes Leben lang — glaubst Du an Ahnungen?“
„Ne,“ sagte Ohlers, entschieden mit dem Kopf schüttelnd, „nur an Congestionen nach dem Kopf. Glaubst Du dran?“
„Ja, Ohlers,“ sagte der Doktor feierlich, „und — ich habe alle Ursache dazu. Mein Großvater war ein Sonntagskind und verkehrte mit jener Welt, die uns anderen armen Sterblichen meist immer verschlossen bleibt. Du weißt aber, daß in der Natur nur zu oft Eigenschaften vom Großvater auf den Enkel theilweise übererben, und einen kleinen Theil der ihm verliehenen Gaben scheine auch ich von ihm bekommen zu haben.“
Ohlers wollte etwas erwiedern. Es lag ihm schon auf der Zunge, aber der Doktor war einmal im Gang — er durfte ihn jetzt nicht böse machen oder auch nur stören, und trommelte nur, um doch irgend eine Beschäftigung zu haben, mit den Fingern auf den Tisch.
„Nun siehst Du, Ohlers,“ fuhr Peters zutraulich fort, „so hat er den schwächsten Theil seiner Kraft auch auf mich vererbt — das Ahnungsvermögen. — Ich sehe nichts wirklich, wie er es gethan hat; ich kann mit jenen überirdischen Wesen und Kräften nicht selber in Verbindung treten, aber ich ahne sie, und ohne daß ich selber weiß, woher es kommt, erhalte ich oft Verkündigungen kommender Dinge, die in mein eigenes Leben eingreifen, und mich entweder vor einem Unglück warnen, oder mir auch im anderen Fall ein Glück erschließen.“
„Aber guter Peters.“
„Unterbrich mich nicht, Ohlers,“ sagte der Doktor, und leerte langsam sein Glas — „ich habe die Beweise dafür. Ohne einen Cent Geld kam ich nach Amerika, ein armer Teufel, wie sie sich hier zu Tausenden herumtreiben; englisch verstand ich fast gar nicht und die Deutschen wollten nicht krank werden, oder wenn ich einmal einen Patienten bekam, starb er mir unter den Händen weg. Es ging mir damals hundeschlecht, und ich hatte oft das Salz nicht zum Brod und noch weniger das Brod selber. Da wurden hier in der Nähe Kohlenbergwerke entdeckt, und was verstand ich von solchen Dingen, wie ich mich überhaupt nie um die Geologie bekümmert habe. Da war es mir eines Tages, als ob mir Jemand den Rock anzog, den Hut aufsetzte und den Stock in die Hand drückte — ich mußte hinaus in die Berge, ich mochte wollen oder nicht, und dort — ging ich direkt zu dem Platz, dem ich Alles verdanke, was ich auf der Welt habe. Ohne, wie gesagt, die Spur davon zu verstehen, wußte ich, hier liegen Kohlen, ein reicher Grundbesitzer in der Nachbarschaft, der mir als deutschem Doktor Alles zutraute, ging darauf ein, das Land, das ich ihm zeigen würde, gemeinschaftlich mit mir anzugreifen und das Geld zum ersten Betrieb herzugeben und der Erfolg übertraf in der That unsere kühnsten Erwartungen.“
„Aber was hat das Alles mit der Wittwe Reuter zu thun?“ rief der ungeduldig werdende Apotheker.