„Topp,“ versicherte Herr Louis, äußerst coulant in allen solchen Bewilligungen, wo er erst einmal Jemanden fest in seinem Netz hatte.

„Frau Müller nicht zu Haus?“ sagte in diesem Augenblick eine Stimme, nach der sie sich etwas überrascht umsahen. Sie gehörte auch einer noch nicht alten Dame oder Frau — Herr Louis wußte nicht gleich, zu was er sie rechnen sollte, — die gerade durch die offene Hausthür trat und einen einfachen braunen Hut auf, und einen Shawl umhängen hatte.

„Nein — verreist,“ sagte er übrigens kurz, denn er wünschte in diesem Augenblick nicht gestört zu werden.

„Und wann kommt sie zurück?“ fragte die Fremde artig.

„Heute — Zeit unbestimmt.“ Damit wandte sich Herr Louis ab und wollte Lieschen eben noch eine Bemerkung mittheilen, als ihn eine andere Stimme ganz unerwarteter Weise an seine Pflicht mahnte.

„Nun, Louis — hören Sie denn nicht wie drinnen geklingelt wird? Was habt Ihr Beiden denn hier draußen zu stehen und zu schwatzen? Man darf doch nur den Rücken wenden — und es geht Alles drunter und drüber — Sie mein’ ich, Herr Oberkellner! Haben Sie mich verstanden?“

Herr Louis mußte es verstanden haben, denn die Aufforderung war gar nicht falsch zu verstehen, er selber aber über das plötzliche und unverhoffte Erscheinen der Frau, wie über die barsche Anrede — noch dazu vor dem Stubenmädchen — so verdutzt geworden, daß er im ersten Moment wie vor den Kopf geschlagen dastand. Die letzten Worte aber brachten ihn wieder zu sich selber.

„Bitte um Verzeihung, Madame,“ sagte er würdevoll, „wurde eben herausgerufen, da die Frau da —“ und er zeigte mit dem Daumen über die Achsel nach der Fremden, „Sie zu sprechen verlangte; Ich versäume nie meine Pflicht,“ und mit einer leichten, aber stolzen Verbeugung schwenkte er rechts ab und in die Wirthsstube hinein. Lieschen hatte schon den vorhergegangenen Moment benutzt, um in die Küche zu fahren und der Frau außer Sicht zu kommen.

Die Wirthin hatte sich indessen nach der Fremden umgesehen, der es natürlich nicht entgehen konnte, wen sie hier vor sich hatte. Mit einem leichten Gruß überreichte sie ihr auch, ohne weitere Worte, einen schon bereit gehaltenen Brief, den Frau Müller öffnete, flüchtig übersah, und dann die vor ihr Stehende von Kopf bis zu Füßen, musternd, etwas freundlicher als bisher, sagte: