„Und haben Sie lange in Breslau gelebt?“ fragte sie endlich, um in ihrer Entscheidung nicht zu rasch und voreilig zu scheinen.
„Nur zwei Jahre,“ lautete die Antwort, „mein Mann war früher Reisender; als wir uns aber verheiratheten, gab er das auf, um ein eigenes kleines Geschäft in Hamburg zu gründen. Wir hatten jedoch Unglück; ein Brand zerstörte Alles, was wir besaßen, ohne daß ein Stück versichert gewesen, und — wie das so geht,“ setzte sie zögernd hinzu, „ein Unglück kam zum anderen, bis es uns endlich — gänzlich ruinirte.“
„Wie hieß Ihr Mann mit Vornamen?“ fragte da die Wirthin, die bei dem letzten Bericht aufmerksam geworden war.
„Ferdinand,“ lautete die Antwort.
„Aus Danzig gebürtig?“
„Haben Sie ihn gekannt?“ fragte die Fremde erstaunt, „er war allerdings in Danzig zu Haus.“
„Ihn nicht,“ seufzte die Wirthin und schüttelte traurig mit dem Kopf, „aber hat er Ihnen nie erzählt, daß er einen Bruder gehabt?“
„Allerdings; doch wie es scheint, haben sich die beiden Brüder nie recht mit einander vertragen können; wenigstens keinen Verkehr mitsammen gehabt.“
„Weil —“ wollte ihr die Wirthin rasch erwidern; aber noch ehe sie weiter sprach, fiel ihr ein, daß sie der armen Frau mit ihrer Antwort wehe thun müßte; sie brach deshalb kurz und freundlich ab, „aber das sind Sachen, die uns jetzt zu fern liegen und der Vergangenheit angehören; nur daran haben wir uns noch zu halten, daß wir eigentlich Verwandte, und zwar ganz nahe Verwandte sind.“
„Wir Beide?“ rief die Fremde erstaunt.