„Nun daß sie Dich liebt,“ fuhr aber Ohlers fort, „kann doch ein Blinder sehen; die ganze Stadt weiß es außerdem, und Du bringst sie, oder hast sie vielmehr schon in das Gerede der Leute gebracht, die natürlich nie an ein anständiges Verhältniß, sondern immer nur gleich am liebsten das Allerschlimmste glauben. Aber was kümmert das Dich; Du, mit Deiner fixen Idee im Kopf, daß Dich der Schlag rühren würde, — und der Kerl ist in den letzten Jahren hager geworden wie eine Latte, — besuchst sie Tag nach Tag, sitzest Stunden, ja ganze Morgen lang allein bei ihr, und machst die Sache nur noch immer schlimmer.“

„Du hast Recht,“ sagte der Doktor plötzlich, und jetzt ebenfalls von seinem Sitz aufstehend, „das muß ein Ende nehmen. Ich — sehe ein, ich bin es der Frau schuldig — sie kann es von mir verlangen.“

„Was denn?“ frug Ohlers neugierig, denn er glaubte jetzt wirklich, daß sein letztes Argument über Peters Bedenklichkeiten gesiegt hätte.

„Laß mich nur machen,“ sagte aber der Doktor, seinen Hut nehmend, „Du sollst mit mir zufrieden sein. Ich bin ein ehrlicher Mann, und will wie ein ehrlicher Mann handeln.“

„Und wohin gehst Du jetzt?“

„Zur Wittwe Reuter,“ sagte der Doktor, drückte sich den Hut in die Stirn und verließ die Apotheke.

Drittes Kapitel.
Ein Plan zur Rettung.

Ohlers hatte noch in seiner Apotheke zu thun, mußte dem Doktor auch Zeit lassen, um seinen Entschluß auszuführen, war aber doch ganz entsetzlich neugierig geworden zu hören, wie die Sache abgelaufen, und konnte es kaum erwarten, bis er sich selber an Ort und Stelle überzeugen durfte.

Gegen Mittag lief er dann auch nach dem Lindenbaum hinüber — angeblich um dort zu essen, in Wirklichkeit aber, um von der Wittwe zu hören, wie Alles abgelaufen.