Peters war nicht da — sein Serviettenring, mit der Serviette drin, lag auf dem leeren Teller, und die Wittwe Reuter ließ sich ebensowenig sehen. Er frug das aufwartende Mädchen: „Die Frau sei oben auf ihrem Zimmer,“ lautete die Antwort — „nicht recht wohl“, wie sie hinzusetzte.

Ohlers stutzte. Das war keinenfalls ein gutes Zeichen, er selber aber viel zu wenig blöde, um sich mit solch’ dürftiger Nachricht zu begnügen. Er verzehrte sein Mittagbrod und trank sein Quart Bier dazu, wie gewöhnlich, dann ließ er sich Kaffee geben und las die Zeitung, bis die Gäste das Zimmer verlassen hatten, und sagte dann ohne Weiteres dem Mädchen, sie möchte ihn bei „der Frau“ einmal melden: er habe ihr etwas Wichtiges mitzutheilen.

Das Mädchen wollte erst nicht; sie behauptete, die Frau liege auf dem Bett und könne jetzt Niemanden sprechen; Ohlers ließ sich aber nicht abweisen, und verlangte, daß sie ihr wenigstens seinen Auftrag ausrichte und hinzu setze: „es sei des Doktors wegen.“

Das half. Das Mädchen ging hinauf und kam nach kaum zehn Minuten mit der Antwort zurück, Frau Reuter würde es angenehm sein, ihn zu sprechen.

Angenehm — die arme Frau hatte, als Ohlers hinauf kam, dicke, rothgeweinte Augen. Ohlers trieb übrigens nie „Gefühlspolitik“. Er war — so jung er sein mochte — durchaus praktischer Natur, und ohne sich deßhalb auch bei irgend welcher unnöthigen Sentimentalität aufzuhalten, sagte er gleich, sowie er nun in’s Zimmer trat:

„Entschuldigen Sie, Frau Reuter, daß ich mit der brennenden Cigarre zu Ihnen komme, aber ich wußte nicht, ob Sie Schwefelhölzchen oben hatten, und möchte gern etwas Wichtiges mit Ihnen besprechen. War der Doktor da?“

„Ja, Herr Ohlers,“ sagte die Wittwe, die ihm winkte, einen Stuhl zu nehmen.

„Dank Ihnen,“ bemerkte Ohlers, sich setzend; „und was hat er Ihnen gesagt?“

„Herr Ohlers,“ rief die Wittwe.