„Ach, daß Du wieder heirathen mußtest!“ seufzte der Mann und barg sein Gesicht in der linken Hand.

„Und was soll jetzt werden?“ fragte die Frau, die in diesem Augenblick vollkommen gut begriff, auf was Alles hinauslief.

„Ich weiß es nicht,“ stöhnte Herr Müller wie verzweiflungsvoll, indem er den Arm wieder sinken ließ, und ein Bild tiefer Trauer vor der Wittwe stand, „soviel ist gewiß, ich muß fort — ich darf Deine Ruhe, Deinen Frieden nicht stören. Ich will wieder hinüber über den Ocean, und nie mehr dürfen sich unsere Wege kreuzen —“

„Du wolltest wieder fort?“

„Ich muß,“ lautete die resignirte Antwort, „wenn ich nur nicht meine letzten Mittel erschöpft hätte, um hierher zu kommen.“

Die Frau senkte den Kopf, daß er ihr Gesicht nicht sehen konnte, denn ein leises Lächeln zuckte darüber hin. Jetzt war sie vollkommen sicher, auf was das Ganze hinauslief, und nur das Eine konnte sie sich noch nicht erklären, aus welchem Grunde sie ihr liederlicher Schwager wieder für verheirathet hielt, und wer ihm das gesagt haben konnte. Doch das blieb sich jetzt gleich, und wie sie sich erst wieder auf sicherem Grund und Boden und die erste Schwäche vollständig überwunden fühlte, war ihr weiterer Plan auch rasch gefaßt.

„Aber Caspar,“ sagte sie, den Kopf wieder zu ihm hebend, „Deine Mittel hast Du erschöpft, um nur hierher zu kommen, und jetzt wolltest Du wieder fort? — wolltest mich zum zweiten Mal verlassen? — weshalb? Die lange schwere Zeit der Trennung liegt hinter uns, und nichts, nichts im Leben soll uns wieder trennen.“

Herr Müller sah sie etwas überrascht an. „Aber Dein zweiter Mann!“ sagte er endlich zögernd.

„Mein zweiter Mann?“ rief die Wittwe. „Glaubst Du, daß ich Dich je so weit vergessen habe, wieder an eine zweite Heirath zu denken? O, wie wenig hast Du mich da gekannt.“