„Er ist wirklich übergeschnappt.“

„Und können Sie mir in der That einen Grund seines wunderlichen Benehmens nennen?“ frug die Frau, die von Herzen betrübt schien — „ich weiß es mir nicht zu erklären, denn böse ist er nicht auf mich — er war so gerührt, daß ihm die Thränen in den Augen standen.“

„Böse — weßhalb sollte er böse sein,“ brummte Ohlers; „nein, setzen Sie sich einmal dahin, Frau Reuter, und dann will ich Ihnen die ganze Mordgeschichte erzählen. Nachher können wir berathen, was jetzt mit dem Doktor anzufangen ist.“

Die Frau setzte sich in ängstlicher Spannung ihm gegenüber, und Ohlers erzählte ihr jetzt Alles ausführlich, was er heute Morgen mit dem Doktor verhandelt, und welchen Grund ihm dieser selber gegen seine Verheirathung angegeben habe. Daß er einfach an einer fixen Idee leide, blieb natürlich außer aller Frage; aber wie die jetzt heben, denn wirkliche Irrthümer kann man durch Thatsachen widerlegen, eine bloße Phantasie aber bietet nirgends einen festen Halt, bei dem man sie fassen könnte, und weicht jedem Griff elastisch aus.

Ohlers zerbrach sich den Kopf herüber und hinüber, aber sie kamen zu keinem Resultat, bis der kleine Apotheker endlich in die Höhe sprang und ausrief:

„Das hilft uns jetzt nichts, Frau Reuter, so viel seh’ ich ein, wir Beide werden mit der Geschichte nicht allein fertig, aber eine Frage müssen Sie mir vorher beantworten, damit ich wenigstens weiß, woran ich bin, und nachher verlassen Sie sich auf mich.“

„Was für eine Frage, Herr Ohlers.“

„Wollen Sie den Doktor heirathen?“

„Aber Herr Ohlers.“

„Thun Sie mir den einzigen Gefallen und zieren Sie sich nicht; dazu ist jetzt gar keine Gelegenheit und Veranlassung.“