„Davon ist ja aber gar nicht die Rede,“ sagte Ohlers, „wollen Sie ihn heirathen?“

„Sie sind ein schrecklicher Mensch, Herr Ohlers,“ seufzte die Wittwe — „von Zartgefühl haben Sie keine Spur.“

„Also nicht?“ sagte Ohlers, und nahm seinen Hut.

„Ja denn, in des Himmels Namen, wenn Sie mir das Messer so auf die Brust setzen. Aber wie wollen Sie ihn von der unglücklichen Idee heilen?“

„Das weiß ich selber noch nicht,“ erwiederte Ohlers, „die Hauptsache ist, daß wir auf Ihre Unterstützung rechnen können, aber das Geseufze und Gestöhne hab ich satt, und wir wollen jetzt sehen, ob wir nicht wieder einen fidelen Menschen aus diesem Peters machen können.“


Ohlers entwickelte von dieser Zeit an eine ungemeine Geschäftigkeit, und hatte verschiedene geheime Unterredungen, besonders mit dem Advokaten Dulzig und dem Pastor Umbreit. Auch der Feuermann des Ohio-Dampfers, der junge Degmar, war in diesen Tagen nach Pittsburg gekommen. Er hatte sein Boot, auf dem er sich mit eisernem Fleiß ein paar hundert Dollar gespart, verlassen, und rüstete sich jetzt zu einem Jagdzug nach Missouri, wohnte und aß aber indessen, da seine Vorbereitungen jedenfalls ein paar Wochen in Anspruch nahmen, und er sich von seinen gehabten Strapazen und der schweren Arbeit doch auch erst einmal ordentlich ausruhen wollte, in der Zeit im Lindenbaum, und war von Ohlers bald in die ganzen Verhältnisse eingeweiht.

Erleichtert wurde ihnen die Sache allerdings dadurch, daß Dr. Peters in der That sein Wort hielt, und das Haus der Wittwe Reuter nicht mehr betrat. Er war überhaupt ein ganz anderer Mensch geworden: trübe, in sich gebrochen, ging er umher, keine Spur mehr von der früheren Laune und dem oft sprudelnden Humor; er sah dabei bleich und elend aus, und es war augenscheinlich, daß ihm ein geheimer Kummer am Herzen nage.

Auch die Frau Reuter hatte jetzt oft verweinte Augen, wenn sie ihrem Geschäft auch wacker, wie bisher, vorstand, und alle Versuche des Pastor Umbreit, dem Doktor einmal zum Herzen zu reden, blieben erfolglos. Er sprach sogar davon, daß er Pittsburg ganz verlassen wolle, um sich in der Nähe seiner Kohlenminen anzusiedeln, da seine Gegenwart dorten von Zeit zu Zeit nöthig sei — aber es dachte Niemand daran, ihn dort zu gebrauchen, und es war das nur eine Ausrede, um von Pittsburg — vom Lindenbaum fortzukommen. — Ging er freilich, so war die ganze Sache verdorben, und das mußte deßhalb unter jeder Bedingung verhindert werden.