Die vier Verbündeten, die sich übrigens das Wort gegeben hatten, keine Silbe des ganzen Verhältnisses gegen irgend Jemanden zu äußern, um weder ihren Freund, den Doktor, noch die wackere Frau zu compromittiren, hielten jetzt Konferenzen bei verschlossener Thüre, und Degmar, ein junger tollköpfiger Bursche und zu Allem fähig, machte da einen Vorschlag, über den selbst Ohlers stutzig wurde, und den Pastor Umbreit — sonst auch nicht der Letzte, wo es einen Scherz auszuführen galt — im ersten Augenblick auf das Entschiedenste verwarf.

Der Plan war allerdings kühn genug und bestand darin, den Doktor, der sich ja nur vor dem Moment der Trauung fürchtete, weil er die feste Idee hatte, der Schlag würde ihn in dem Augenblick rühren, zu verheirathen, ohne daß er selber etwas davon erführe, während er gegen das fait accompli nachher nicht das Geringste würde einzuwenden haben.

Das ging auf keinen Fall; die Trauung war eine zu heilige Sache, um damit irgend einen Scherz zu treiben, und außerdem nicht giltig, wenn die Betheiligten nicht bei vollem Bewußtsein ihr Jawort deutlich sprachen. Der Gedanke schon sei wahnsinnig, und sie brauchten keine weitere Zeit damit zu verlieren.

Degmar gab aber nicht nach.

„Es ist ja gar nicht nöthig,“ rief er aus, „daß wir ihn wirklich trauen; wir machen ihm nur weiß, daß er von einem Friedensrichter zusammengegeben sei, und die Frau besteht dann darauf, daß der Geistliche auch noch seinen Segen darüber sprechen müsse.“

„Dann müssen wir ihn erst verrückt machen, ehe er etwas Derartiges glauben würde,“ sagte Ohlers.

„Verrückt nicht, nur betrunken,“ lachte Degmar; „ich wette meinen Hals darauf, daß es ausführbar ist.“

„Thorheit,“ sagte Umbreit, „selbst die Frau Reuter würde dazu nie ihre Zustimmung geben, wollten wir selbst auf einen solchen tollköpfigen Gedanken eingehen.“

Ohlers war nachdenkend geworden. Gerade das Tolle dieses Planes sagte ihm zu, und er überlegte sich im Geist die mögliche Ausführung. Dulzig, der Advokat, war übrigens auch vollständig dagegen, da er keine Möglichkeit eines günstigen Erfolges sah, wie auch ebenfalls an Frau Reuters Zustimmung zweifelte. Die Verhandlung wurde zuletzt abgebrochen, und Umbreit erklärte, noch einmal einen Versuch zu machen, durch Vernunftgründe auf den Doktor einzuwirken — er hätte seine Vernunftgründe ebensogut einem Tisch vorpredigen können.

Nach der Berathung nahm Ohlers, ohne ein Wort zu sagen, Degmars Arm und führte ihn in das nämliche Hinterstübchen hinüber, wo er damals mit dem Doktor gesessen hatte. Ungarwein und Limburger Käse wurden auch heute wieder wie an jenem Tag herauf beschworen, und die beiden jungen Leute waren dabei so in ihre Unterredung vertieft, daß sie sogar das Mittagessen darüber versäumten — aber sie kamen zu einem Entschluß, da ihnen Niemand opponirte, und alle ihnen noch entgegen stehenden Schwierigkeiten hofften sie mit leichter Mühe zu besiegen.