„Bitte, Frau Reuter, setzen Sie einmal Ihr Bonnet auf und kommen Sie mit mir.“
„Mit Ihnen, Herr Ohlers? wohin?“
„Wohin, zum Doktor natürlich — wollen Sie ihn nicht noch einmal sehen?“
„Oh du großer Gott, ist er denn wirklich so krank,“ rief die Frau, die Hände faltend.
„Wenn er’s überlebt, ist’s ein Wunder,“ sagte Ohlers, „ich glaub’ aber nicht, daß er’s noch bis morgen früh macht.“
„Aber was kann ich thun?“ rief die arme Frau in Verzweiflung.
„Jetzt gar nichts mehr,“ sagte der Apotheker, „als ihm vielleicht noch einmal die Hand drücken. Wären Sie früher meinem Rath gefolgt, hätten Sie sich und ihm das erspart.“
„Ach mein guter Herr Ohlers —“
„Setzen Sie Ihr Bonnet auf und kommen Sie; es ist keine Schande, daß Sie einen alten Freund, der so treu bei Ihnen die langen Jahre ausgehalten, auf seinem Sterbebett besuchen.“
„Ich gehe mit Ihnen, Herr Ohlers — ich gehe mit Ihnen,“ rief die Wittwe, aufgelöst in Thränen, und ohne weiter eine Silbe zu äußern, setzte sie ihr Bonnet auf, warf ihren Mantel um und schritt der Wohnung des Doktors zu.