Fünftes Kapitel.
Der nächste Morgen.
Es konnte kaum sechs Uhr am nächsten Morgen sein, als Frau Reuter schon angekleidet unten im Gastzimmer war, und darauf sah, daß Alles wieder in Ordnung gebracht und gelüftet wurde. Auch Geschirr und Messer, Gabeln und Löffel revidirte sie ob nichts fehlte oder verkramt war, und ließ die Weinreste vom letzten Abend dann hinüber in ein besonderes Zimmer stellen.
Noch war sie damit beschäftigt, als Ohlers hereintrat, und eine Tasse Kaffee bestellte.
„Gehen Sie damit in’s Nebenstübchen, Herr Ohlers,“ sagte die Wittwe, „hier ist’s noch zu ungemüthlich — er soll Ihnen gleich gebracht werden.“
Die Wittwe folgte ihm dorthin, und wie er das Zimmer betrat, frug der Apotheker rasch und leise:
„Schläft er noch?“
„Fest und gut,“ lautete die Antwort, „aber ich sage Ihnen, Herr Ohlers, mir ist zu Muthe, als ob ich sterben sollte.“
„Unsinn,“ sagte der Apotheker. „Sie sollen jetzt erst anfangen zu leben — aber weiß Ihr Mädchen darum?“
„Natürlich; sie mußte es wissen — aber ich kann mich auf sie verlassen.“
„Desto besser: die kann uns also gleich helfen.“