„Weil sie weiß, daß sie Niemand beim Worte nimmt,“ lachte der Bäckermeister. „He, Bärbel, gieb mir noch einen Schoppen — das ist aber wahrhaftig der letzte —“

Die jungen Fremden lachten — nicht über Rosel’s Anerbieten, sondern über den kleinen dicken Mann, der schon seit einer Stunde immer seinen ‚letzten‘ Schoppen bestellte, und doch nicht vom Fleck zu bringen war; das junge Mädchen aber, überhaupt heute Abend durch das Zusammentreffen mit Bruno und die harten Worte des Vaters gereizt, rief aus:

„Und wenn ich Euch nun beim Worte nähme, Meister Bollharz? Ihr habt die zwei schönen großen Orangenbäume, die Ihr mir immer nicht verkaufen wolltet. Sollen die mein sein, wenn ich jetzt — in diesem Augenblick nach der Ruine hinauf und hinein gehe und Euch auf irgend eine Art ein Zeichen bringe, daß ich dort gewesen?“

„Mädel, bist Du des hellen Teufels?“ sagte der Registrator erschreckt.

„Bravo, mein Fräulein!“ riefen lachend die jungen Leute, die noch immer nicht an den Ernst der Sache dachten und sich nur über das verdutzte Gesicht des kleinen dicken Bäckers amüsirten — „er hat die Lust am Wetten schon verloren.“

„So, meine Herren?“ sprach der Bäcker, ebenfalls mit einer tüchtigen Schoppenladung im Kopfe, von seinem Stuhle aufspringend und mit der Hand auf den Tisch schlagend, „das hat er aber noch lange nicht. Die beiden Orangenbäume sollen Ihnen gehören, Rosel, wenn Sie jetzt — und es muß bald Mitternacht sein — dort hinauf gehen, und ich will mein Lebstag ein Lügner heißen, wenn ich sie nicht selber herunter schicke.“

„Gut,“ rief das junge Mädchen, entschlossen sich von ihrem Platze erhebend, „ich gehe, die Wette gilt.“

„Wenn Sie aber nicht hinaufgehen und wieder unverrichteter Sache herunter kommen?“ frug der kleine Bäcker, dem doch schon um seine vielleicht zu leichtsinnig versprochenen Orangenbäume bange wurde.

„Dann bekommen Sie von mir jenen Kuß,“ sagte das junge Mädchen — und während sich ihr Antlitz blutroth färbte, spielte doch zugleich ein spöttisches Lächeln um ihre Lippen — „um den Sie mich schon so oft gebeten haben.“