„Recht traurig,“ nickte Rosel leise vor sich hin, aber so leise, daß er wohl die Bewegung sah, doch die geflüsterten Worte nicht verstand.

„So sag’ mir nur noch das Eine, Rosel,“ bat Bruno herzlich, „ich will Dich nicht länger quälen, denn ich sehe, daß Dir meine Gegenwart nicht mehr so lieb ist, wie sie es früher war — nur die eine Frage beantworte mir noch — giebt es kein Mittel, durch welches ich das Verlorene wieder gewinnen kann? Ist es so vollständig unmöglich, das Hinderniß, das ich nicht einmal kenne, aus dem Weg zu räumen — soll ich nicht wenigstens hoffen dürfen, daß noch Alles gut werden kann?“

„Nein, Bruno,“ sagte das arme Mädchen tonlos und kopfschüttelnd, „ich habe keine Hoffnung mehr. Um das Eine nur aber bitt’ ich Dich,“ setzte sie fast ängstlich hinzu, als er matt ihre Hand losließ und sich von ihr abwandte, „wenn ich auch einmal fort bin von hier und Du mich nicht mehr siehst, denk’ immer an mich und sei überzeugt, daß die Rosel gut und brav geblieben ist und Dich von Herzen lieb gehabt hat — willst Du mir das versprechen? — und Du darfst’s.“

„Ich will’s Dir versprechen,“ sagte Bruno, indem er ihr noch einmal die Hand reichte. „Und so sollen wir jetzt wirklich Abschied für’s Leben nehmen?“

„Für’s Leben, Bruno,“ sagte Rosel, während ihr ein paar große helle Thränen an den Wangen niederrollten und als Thau auf die Blumen fielen, die sie noch immer in der Hand hielt — „ich hätt’ Dir gern den Schmerz erspart, wenn es mir möglich gewesen wäre, aber Du hast’s ja selber so haben wollen.“

„Ich kann mir’s noch immer nicht denken,“ nickte der junge Mann betrübt vor sich hin, „es ist mir fortwährend, als ob wir Beide in irgend einem schweren, entsetzlichen Traume lägen und jeden Augenblick daraus erwachen müßten. Und doch ist’s wahr und wirklich! So leb’ denn wohl, Rosel,“ fuhr er fort, indem er einen leisen, kaum fühlbaren Kuß auf ihre Stirn hauchte, „ich will Dir den Abschied nicht schwer machen. Ich geh jetzt fort zu meinem Beruf und hetze, wie die ganze letzte Woche, hinter Raubmördern und Falschmünzern her und liefere die Verbrecher den Gerichten aus. Glückliche Menschen bekomme ich nicht zu sehen, die ich neiden könnte, und da will ich versuchen, ob ich’s wenigstens vergessen mag. — Leb’ wohl, Rosel.“

Rosel war’s, als ob ihr Jemand mit einer eiskalten Hand das Herz zusammenpresse, und hätten Bruno nicht die Augen so voller Thränen gestanden, so mußte er sehen, wie blaß sie plötzlich bei seiner letzten Rede geworden.

„Hinter wem hetzest Du her?“ sagte sie fast tonlos, ohne die Hand loszulassen, die sie noch in der ihren hielt.

„Hinter einer Falschmünzerbande, Rosel,“ antwortete der junge Mann, „von der ich vorgestern selber das Glück hatte, einen der Agenten einzufangen. Ich freute mich damals darüber, weil ich dachte, daß es mir vorwärts helfen würde.“

„Und hat er gestanden?“