„So?“ sagte Herr Louis, über die Nachricht erstaunt, denn jetzt schien die Sonne, und er zog die Augenbrauen dabei so hoch hinauf und vorn zusammen, daß sie eine Verlängerung des Scheitels nach vorn herunter bis auf die Nasenwurzel herstellten. Er sah aber trotzdem nicht hübsch aus.

„Kann ich vielleicht — wenn es nöthig sein sollte, ein oder zwei Tage hier wohnen?“ brach der Fremde indessen die meteorologische Verhandlung ab.

„Es ist gerade noch ein Zimmer frei“, log Herr Louis, denn das halbe Haus stand leer; „erlauben Sie —“ und damit streckte er seine Hand nach dem Reisesack aus, um den Fremden vor allen Dingen einmal sicher zu haben.

„Bitte“, sagte aber dieser, indem er sein Eigenthum noch festhielt. „Vorher muß ich mich erst noch nach Einigem erkundigen, aber vielleicht sind Sie im Stande, mir Auskunft zu geben. Wissen Sie, wem diese Wirthschaft zu eigen gehört?“

„Wäre nicht übel, wenn ich es nicht wüßte“, lächelte Herr Louis etwas spöttisch und fuhr sich mit den gespreizten Fingern der rechten Hand durch die entsprechende Chausseeseite; „der Frau Josephine Müller.“

„Josephine Müller?“

„Zu dienen.“

„Ihr Mann ist todt?“ examinirte der Fremde weiter, und Herr Louis schoß einen raschen und forschenden Blick auf ihn, denn ein eigener Verdacht stieg in ihm auf, zögernd sagte er auch nur: „Ja!“

„Und ist sie zu Haus?“

„Nein — verreist, auf Besuch“, bemerkte Herr Louis, und fuhr sich durch die andere Chausseeseite — was zum Henker konnte der Fremde mit seiner Wirthin wollen, daß er sich nach dem Tod ihres Mannes erkundigte. Ueberdies war das eine sehr alte Geschichte und der Herr Müller schon seit sechs Jahren verschollen und damals mit einem Dampfer zu Grunde gegangen.