„Und sie wollen die tausend Gulden nicht nehmen?“ frug ihn dieser, jetzt wirklich zum Äußersten erstaunt, „Wetter noch einmal, in fünf Minuten siebenhundert Gulden zu verdienen –“
„Nicht wahr das ist nicht schlecht?“ lachte der Amerikaner, „wenn man seine Zeit nur ein paar Jahr auf ähnliche Weise verwerthen könnte, ließe sich schon ein ganz hübsches Vermögen zusammen scharren. Aber, Scherz bei Seite, Freund, der Zufall hat uns hier einen glücklichen Streich gespielt, und der Javane muß den Khris kaufen, wir mögen fordern was wir wollen.“
„Muß ihn kaufen?“ frug der Capitain erstaunt, „wer soll ihn zwingen?“
„Seine eigene Sitte,“ rief der Yankee; „schon aus früherer Zeit weiß ich ähnliche Beispiele, und es giebt ein altes Gesetz unter diesen Stämmen, daß sie den Khris ihrer Vorfahren, den sie an [eigenthümlichen], nur ihnen deutlichen Zeichen in der Damascirung kennen, wenn sie ihn verlieren und in fremden Händen wiederfinden, um jeden Preis wieder an sich bringen müssen. Ich war selber dabei, wie ein Javane einst für eine solche Klinge mit vollkommen werthlosem Heft zweitausend Gulden bezahlte, und viertausend gegeben haben würde, wenn er sie nicht anders bekommen hätte. Dasselbe ist hier der Fall, und umsonst bot der Bursche wahrhaftig nicht tausend Gulden für den Stahl. Nein, um hundert, wenn er sich klug dabei anstellte, hätte er den Khris vielleicht kaufen können, denn was kann man weiter damit thun, als ihn an die Wand hängen, aber um tausend kauft er ihn jetzt nicht, soviel ist sicher, und an mir soll's nicht liegen, wenn ich ihn jetzt nicht so weit hinaufschraube, als das Gewinde reicht.“
„Daß er Ihnen dann nur nicht abfällt,“ sagte kopfschüttelnd der Capitain, „und überdies thut mir der arme Teufel leid. Wenn der Khris nun einmal in seine Familie gehört und sein Herz so daran hängt, weshalb ihm den Wiedergewinn so entsetzlich, und auch ungerecht erschweren.“
„Oh, hol' die braunen Hallunken der Teufel,“ fluchte der Amerikaner, „ich kann schon die Farbe nicht leiden, und das Gesindel trägt dabei noch die Nase überhoch. Wo sie uns betrügen können, thun sie es auch, und wenn wir aus ihnen den größtmöglichen Nutzen herauspressen, üben wir nicht mehr als unser Recht der Selbstvertheidigung. Außerdem füttert und erhält die Holländische Regierung nicht allein diese Faullenzer, sondern zahlt ihnen auch noch rasende Gehalte, die sie doch in Schmuck, nutzlosen Juwelen und Harems verschwenden. Es ist nicht mehr als Christenpflicht, ihnen einen kleinen Theil derselben wieder abzunehmen.“
„Wenn er Sie aber jetzt mit dem Gebot gehen läßt?“ sagte der Capitain.
„Da hinten kommt er schon,“ lachte der Amerikaner still vor sich hin, „dessen sind wir sicher, und bis der Khris nicht in seinen Händen ist, verläßt der meine Spur nicht wieder.“
Als sie die Biegung über die Brücke machten, und links wieder nach den Waarenhäusern des Kali Besaar einbogen, konnten sie auch wirklich, ohne den Kopf besonders nach ihm umzudrehen, den Javanen erkennen, der bis dahin regungslos an dem Pfeiler lehnen geblieben war, als ob er die Rückkehr der Männer erwarten wolle. Da sie aber nicht kamen, schien er jetzt selber zu fürchten, daß sie ihm entgehen könnten.
Der Amerikaner hatte auch in der That ganz recht vermuthet; der Khris, den der Capitain so zufällig in der Auction erstanden, gehörte wirklich der Familie jenes Javanen; die geheimnißvollen Zeichen der Damascirung ließen diesen nicht einen Augenblick darüber in Zweifel, und er mußte ihn wiederhaben. Aber wie? Hatten die gierigen, ehrgeizigen Weißen ihn nicht Alles dessen beraubt, was er sein eigen nannte? war er nicht ein halber Bettler und Flüchtling fast auf demselben Boden, den er früher als Fürst beherrscht, und wußte er sich nicht dabei noch mißtrauisch überwacht, weil die Regierung recht gut sowohl den Einfluß, den er früher ausgeübt, wie auch den starren Sinn kannte, der sich der fremden Herrschaft nicht gutwillig und geduldig beugen wollte? Sein Pferd, ein wackerer Macassar-Hengst, und eine Handvoll Juwelen, die ihm sein Vater hinterlassen, war Alles, was er noch sein nannte; aber selbst das, wenn er es jetzt rasch verkaufen mußte, brachte ihm kaum die ganze, von dem gierigen Weißen geforderte Summe, und was blieb ihm zuletzt übrig? – In finsterem Brüten folgte er den beiden Männern, die, ohne anscheinend weiter auf ihn Acht zu geben, vor einem der Geschäftslokale stehen geblieben waren und den Herankommenden den Rücken zukehrten. Der Amerikaner hatte dem holländischen Capitain eben die verabredeten dreihundert Gulden für die Waffe, für die er so viele Tausende zu gewinnen hoffte, ausgeliefert, und besah jetzt gerade wieder lächelnd den unscheinbaren Stahl, als der Javane zu ihm herantrat, die Hand auf seine Schulter legte und leise sagte.