„Nun gut, so schicke Spund mit zwei Tongaleuten hinüber.“
„Spund?“ fragte Toanonga, und schüttelte bedenklich mit dem Kopf.
„Spund ist eine gute, ehrliche Haut,“ beruhigte ihn der Schotte, „und wenn du dem drohest, du würdest ihm den Schädel einschlagen, sowie er das Geringste verriethe, warnte er seinen eigenen Vater nicht. Außerdem braucht er gar nichts zu bestellen, denn du weißt, daß die Papalangis die Kunst verstehen, auf ein weißes Stück Zeug Zeichen zu malen, die einem Anderen sagen, was er wissen soll.“
„Da kann der Fremde aber darauf setzen, was er will!“
„Er mag es in der Tonga-Sprache thun, und du kannst dich dann selber überzeugen, daß er nichts sagt, als was du von ihm verlangst.“
Toanonga begriff noch nicht recht, wie das Ganze gemeint sei. Auf Spund glaubte er sich übrigens am ersten verlassen zu können, und wollte jetzt wenigstens sehen, was die Fremden im Sinne hätten. Er gab auch des Gefangenen Hände frei, und dieser ging rasch auf Mac Kringo's Plan ein, nahm seine Brieftafel aus der Tasche, riß ein Blatt heraus und schrieb darauf in der Tonga-Sprache: Schicke mir augenblicklich die vier Papalangis herüber und laß sie Messer und Tabak mitbringen; darunter aber setzte er in Englisch nur die Worte: Verrath! schicke die vier Matrosen gut bewaffnet!
Toanonga hatte neben ihm gestanden und ihm aufmerksam zugesehen, war aber sehr erstaunt, daß der Fremde so rasch damit fertig wurde.
„Und da sollen sie jetzt wissen, was das bedeutet?“ fragte er lachend. „Nun wartet, das wollen wir gleich erfahren. Geh' einmal weg, Ma Kino, der Fremde soll mir allein sagen, was er darauf gemalt hat.“
Der Schotte trat zurück, und Jacobs las Toanonga die im Tonga-Dialekt geschriebenen Worte langsam vor. Darauf ging der Häuptling mit dem Zettel zu Mac Kringo, und war aufs Äußerste erstaunt, als dieser ihm jede Silbe genau wiederholte, wobei sich dieser jedoch wohl hütete, das Englische mitzulesen. Toanonga traute aber noch immer nicht; denn die Beiden konnten sich auch über diese Worte vorher verständigt haben. Er ging also wieder zu Jacobs zurück und flüsterte ihm zu, die beiden Worte Monui und Toanonga aufzuzeichnen. Davon konnte Mac Kringo jetzt nichts wissen, als er aber diesem das Blatt zeigte, und der die Worte ohne Schwierigkeit ablas, kannte sein Erstaunen keine Gränzen. Besonders konnte er sich gar nicht denken, daß er Monui gleich erkannt habe, da die fünf sehr auffälligen Bergspitzen der Insel gar nicht darin zu unterscheiden waren.
Er machte den Versuch auch noch mit ein paar andern Worten, und würde sich wahrscheinlich den ganzen Tag damit unterhalten haben, hätte die Zeit nicht gedrängt. Von dem also abgefaßten Briefe versprach er sich aber einen außerordentlichen Erfolg, nahm Spund zur Seite und flüsterte lange und heimlich mit ihm. Spund schien auch mit Allem einverstanden und nickte in Einem fort mit dem Kopfe. Die beiden Insulaner, die vorher mit dem Canoe an Bord gewesen waren, wurden dann in dem Boot der Weißen mit Spund abgeschickt, und dieser würdige Mann war jetzt nur in Verlegenheit, wohin er mit seinem Buche indessen sollte. An Land durfte er es nicht lassen; denn die Eingeborenen, die es sich einmal in den Kopf gesetzt, daß es Beschwörungen und Zauberformeln enthalte, hatten ihm schon eine Menge Blätter herausgerissen, wo sie deren nur habhaft werden konnten. Mac Kringo wollte er es auch nicht anvertrauen, und beschloß deshalb, es lieber mitzunehmen.