»Wie heißt Ihr?« frug der Fremde, nachdem sie eine kurze Strecke neben einander hingegangen waren und er ihm schon gesagt hatte, daß er selber John Smith heiße und ein geborner Londoner wäre. Mit dem ächten Cockney-Dialekt, der vor jeden Vocal, wo es nicht hingehört, ein h setzt, und dafür sorgfältig jedes wirkliche h am Anfang eines Wortes wegläßt, konnte er es auch gar nicht verleugnen, – »es ist nur der Bequemlichkeit wegen, daß man weiß, wie man Euch anzureden hat« –
»Ich heiße Jack,« sagte sein Begleiter –
»Ja so heißen wir alle,« meinte Smith trocken, »es giebt hier oben eine wahre Quantität von Jack's – aber den anderen Namen« –
»Newman – Tischler aus Sidney« – Smith kannte seinen Vater recht gut und wußte, wo er wohnte – er hatte früher dort dicht nebenan logirt.
Zwei Polizeigensd'armen ritten an ihnen vorüber, und sahen sich nach ihnen um, Smith beachtete sie aber nicht weiter, konnte es jedoch nicht genug loben, wie sicher die Straßen jetzt seien, da die Regierung so viel Polizei darauf halte. »Was ich an Gold habe, führe ich auch selber bei mir,« meinte er treuherzig, »was soll man für den Transport auch noch die schweren Procente bezahlen. – Habt Ihr Glück in den Minen gehabt?«
Jack schämte sich, ihm zu sagen, daß er nur mit ein paar Unzen wieder zu Hause zurückkehre, und eigentlich kaum die Kosten seiner ganzen Fahrt, wenigstens mit einem sehr geringen Verdienst gedeckt habe – er gab eine ausweichende Antwort, und meinte, es sei ihm besser in den Minen geglückt, als er selber im Anfang erwartet habe.
Smith sagte, das freue ihn, und erzählte nun, wie er selber in Californien ebenfalls in den Goldminen gewesen sei, und dort gearbeitet habe, und verschwor sich hoch und theuer, daß die californischen Minen den australischen das Wasser nicht reichen könnten. Natürlich kamen sie nun auch auf die californischen Verhältnisse und auf das Lynchgesetz in San Francisco zu sprechen, und Smith konnte das Ganze nicht schauerlich genug schildern.
Die Amerikaner waren, seiner Aussage nach, das nichtsnutzigste Gesindel, was es auf Gottes Erdboden gab, und ein ehrlicher Mann konnte unter ihnen sein Fortkommen gar nicht finden. Er schien überall in ganz Californien herum gewesen zu sein und versicherte Jack, er habe dort »recht gut ausgemacht« und mit harter Arbeit schweres Geld verdient, er sei aber fortgegangen, weil er es nicht mehr länger habe mit anhören können, wie man den englischen Namen dort beschimpfe, und ehrliche Unterthanen mißhandelte. Jack hatte den Mann indessen ordentlich lieb gewonnen, daß er so nationell gesinnt sei.
Sie waren während dieses Gesprächs zu einer Stelle gekommen, wo man etwa 200 Schritt von der Straße ab eine Menge niederer steinerner Schornsteine sah, von denen die meisten in Reihen standen, als ob sie früher einmal eine kleine Ansiedlung gebildet hatten. Jack wußte nicht was das bedeutete – er war mit den Seinen erst im vorigen Jahr nach Australien gekommen; Smith blieb aber stehen und eine eigene Art von Rührung schien den alten Mann zu überkommen. Er sah die wunderlichen Ruinen eine Zeitlang schweigend an, und sagte dann endlich, den Arm gegen sie ausstreckend, ohne sich aber sonst zu Jack zu wenden:
»Das waren schwere Zeiten, wo die hölzernen Hütten an den Kaminen dort noch standen, die das Feuer jetzt von der Erde vertilgt hat – das waren schwere Zeiten, und mancher arme Teufel liegt dort, wo die drei einzelnen Bäume stehen, begraben, den nicht Krankheit oder ein gewaltsamer Tod von der Erde wegraffte, nein, den die Peitsche langsam unter den grünen Boden hinunter prügelte – langsam und Zoll für Zoll, bis er es endlich nicht mehr ertragen konnte, und das Ende davon war dann gewöhnlich, daß sie ihn zuletzt dort unter den drei grünen Bäumen einscharrten. Es ist merkwürdig, daß sie an der Stelle gar nicht mehr wachsen wollen.«