Er hatte bei diesen Worten schon die Straße verlassen und war in den Busch hineingegangen; es führte hier nicht einmal ein Steg hinüber; der Platz schien seit vielen Jahren gar nicht mehr besucht zu sein; Jack folgte aber seinem Führer, der hier jedenfalls gut Bescheid wissen mußte, und dann interessirte es ihn auch, das Kreuz zu sehen, was auf eine so rührende und geheimnißvolle Weise über den Tod eines Unglücklichen trauerte.
Der Busch war schauerlich dicht, nach einer Viertelstunde etwa erreichten sie aber den Platz, und Smith ging gerade durch nach den drei Bäumen zu, die ziemlich hervorragend auf einer kleinen, sonst von keinen hohen Bäumen besetzten Anhöhe standen. Sonst wucherte aber dort gerade ziemlich dichter niederer Gumbusch, und in dem tiefer gelegenen Grund fing es auch schon an, etwas düster zu werden. Die Sonne vergoldete nur noch die höchsten Gipfel.
»Wir werden das Kreuz kaum noch sehen können,« sagte Smith – »es ist Schade, daß es schon so spät ist –« er bog die Büsche auseinander und trat zu den Bäumen – »dort unten liegt übrigens das Wirthshaus,« sagte er, in das Thal hinunter zeigend, wo jedoch nichts mehr zu erkennen war – »und hier ist auch das Kreuz.«
Jack trat rasch vor und bog sich zu dem Baume nieder – Smith hatte seine rechte Hand unter seinem blauen Hemd am Gürtel.
»Ich kann nichts erkennen,« sagte er, und drehte sich nach seinem alten Begleiter halb um. – Eben noch sah er, daß dieser eine Bewegung gegen ihn machte, und im nächsten Moment lag er, von irgend einem schweren Instrument zu Boden gefällt, bewußtlos auf der Erde.
Als er wieder zu sich kam, war es stockdunkel – sein Gesicht und seine Haare waren mit Blut bedeckt, und er fühlte einen dumpfen Schmerz am Kopf. Er brauchte eine geraume Zeit, bis er sich nur erst wieder besann, wo er war. Sein erster Griff war nach seinem Kopf – und er blieb nicht lange in Zweifel, wie er sich damit stand – der zweite nach seinem Gold – John Smith hatte ihn der Mühe überhoben, weiter auf dasselbe Acht zu geben.
»Was für ein verdammt heuchlerischer Schurke das gewesen war« – dachte Jack, als er sich emporrichtete und mit beiden Händen seine Schläfe hielt.
Sein Bündel lag uneröffnet neben ihm am Boden und er tappte überall mit den Händen herum, ob ihm nicht auch vielleicht sein Goldbeutel aus der Tasche gefallen wäre, das war übrigens nicht der Fall, und dieser wahrscheinlich nur zu sicher aufgehoben.
Um der Sache übrigens noch die Krone aufzusetzen, folgte er der Anweisung, die ihm Smith gegeben hatte, zu dem nächsten Hause zu kommen, und stieg in das Thal hinunter. Dort sah er sich – oder sah er sich vielmehr nicht, sondern fühlte er sich in einem tiefen Kessel, aus dem er in der Dunkelheit gar keinen Ausweg fand. Die Nacht mußte er da unten verbringen, und erst mit Tagesanbruch suchte er seinen Weg zurück, wie er hineingekommen war.
Jetzt mußte er noch einmal an den drei Bäumen vorbei, und er konnte nicht umhin nach dem Kreuz zu sehen, was ihn in eine so fatale Lage gebracht hatte – natürlich war aber von einem Kreuz nicht die geringste Spur zu finden – der verwünschte Smith.