Ich kann hier meine Erzählung ziemlich kurz abbrechen, denn der Leser hat das Ende – Jack war seine paar Unzen los und Smith, oder wie der gute Mann sonst hieß, über alle Berge. Jack machte übrigens gleich bei dem ersten Gendarmen, den er traf, Anzeige über das Vorgefallene, und nannte seinen Namen und Wohnort in Sidney – der Polizeimann erkundigte sich besonders genau nach dem Tuch, was dieser Smith um die Ohren gebunden gehabt, und ob er es nicht einmal abgenommen, oder ob es sich vielleicht einmal verschoben habe, daß er hätte sehen können, was ihm eigentlich fehle. Jack konnte ihm aber hierüber keine Auskunft geben, und dabei blieb die Sache für jetzt – von dem Kreuz erzählte er nichts.

Den ganzen Weg bis Sidney hinunter durfte er aber jetzt zu Fuß laufen, und sogar noch den größten Theil seines Gepäcks verkaufen, um nur unterdessen leben zu können, und doch hatte er sich die ganze Zeit darauf gefreut, wenigstens von Penrith hinein mit der Post fahren zu können. Das hatte aber auch wieder das Gute, daß er es konnte Abend werden lassen und die Leute ihn nicht auf der Straße frugen: Hallo, Jack, have you sold your cradle? – wie das wohl jedem ohne Ausnahme in Sidney passirt, der jetzt mit einem blauen Hemd an und einer wollenen Decke auf dem Rücken bei Tag durch die Straße gehen wollte.

In seiner Eltern Haus war aber große Freude, als er einrückte; sein Vater hatte mehr Arbeit denn je, und der neu angenommene Geselle war ebenfalls in die Minen hinaufgegangen. Jack erzählte ihnen auch ziemlich aufrichtig, wie es ihm oben in den Bergen gegangen sei, er ließ aber doch vieles weg, was er schon hätte ausführlicher beschreiben können. So erzählte er kein Wort von Jane und hätte auch gewiß Mr. Smiths Andenken mit gründlicher Verachtung behandelt, wenn das nur eben gegangen wäre – Mr. Smith hatte sich aber zu deutlich in sein Stammbuch geschrieben.

Einige Wochen später erwischte diesen übrigens die Polizei in den Ophirdiggings, wo er wieder in ein Zelt eingebrochen, oder vielmehr eingeschnitten war. Mr. Smith hatte noch immer Zahnschmerzen, oder trug das Tuch wenigstens noch immer um die Ohren, d. h. um den Platz herum, wo seine Ohren einmal gesessen hatten. Von Californien war er mit dem Verlust derselben wieder zurückgekommen, und man vermuthete, daß er vollen Grund habe, auf das amerikanische Lynchgesetz ungehalten zu sein.

Von seinem Gold bekam Jack übrigens nie wieder etwas zu sehen, wollte aber auch nichts mehr von den Minen wissen.

Im Australischen Busch.

Das Goldfieber war in Sidney in voller Wuth ausgebrochen. Fabelhafte Berichte von riesigen gefundenen Goldklumpen, von Reichthümern, die an einem Tage, in wenigen Stunden gewonnen, berauschten die Hörer und machten auch dem Kaltblütigsten das Herz rascher und unbehaglicher schlagen. Was Wunder also, daß Alle, die gerade locker und ledig in der Stadt herumliefen und keine bestimmte Beschäftigung hatten, ohne Weiteres aufpackten, »ihr Glück« in den Minen zu versuchen, da ja selbst die Männer in Amt und Würden nicht einmal Alle von diesen gehalten werden konnten und hier und da sogar eine »gewisse Zukunft« im Stich ließen, einem höchst ungewissen Erfolg in den Bergen nachzujagen.

Besonders in die Seeleute war der Goldteufel im wahren Sinne des Worts gefahren, und sie bekamen plötzlich Alle mit einander Lust, das Seeleben mit der Arbeit in den Bergen zu vertauschen. So wenig sie sonst vom Lande wissen wollen, und so rasch sie sich immer wieder an Bord ihrer Schiffe zurücksehnten, sobald nur das mitgebrachte Geld in aller Geschwindigkeit verthan war, so versessen schienen sie ganz urplötzlich darauf zu sein, ihre »Landbeine«, wie sie's nannten, anzuschnallen, und Salzwasser und Schiffszwieback für längere Zeit – Viele dachten vielleicht auf immer – Lebewohl zu sagen. Ja nicht allein die Matrosen, sogar die Steuerleute waren kaum zu halten – juckte es doch den Capitainen selber nach Schaufel und Spitzhacke in den Fingern, und alle die Führer von Schiffen, besonders die, denen daran lag, den Hafen bald wieder verlassen zu können, kamen oft in die schwierigsten, fatalsten Lagen.

Matrosen sind gewöhnlich von dem Hafen aus, von dem sie fahren für die Reise, bis zurück von da, wo sie ausgelaufen, verdingt, und dürfen ihr verdientes Geld nicht eher vom Capitain verlangen, als bis diese Reise wirklich zurückgelegt ist. Nur kleine Abzahlungen werden ihnen in den Zwischenhäfen gestattet, hängen aber auch stets von ihrem guten Betragen, d. h. vom Willen des Capitains selber ab und ob und wie viel er ihnen Geld auszuzahlen denkt.

Was aber kümmert das den Seemann? Es giebt wohl kaum ein leichtsinnigeres Volk auf der weiten Gotteswelt, als eben den Matrosen, und was ihm nicht der Augenblick, die unmittelbare Gegenwart bringt, hat für ihn nicht den mindesten Werth, übt auf ihn nicht den geringsten Einfluß aus. Daß viele der Capitaine deshalb ihren sauer verdienten Lohn für lange Monate in den Händen hielten und ihn jetzt natürlich nicht herausgeben mochten, kümmerte sie gar nicht, und wenn sie die Jacke vom Leibe verkaufen mußten, Brod unterwegs zu haben, was that's? Sobald sie nur die Minen erreichten, wie sie dachten, war ihnen ja doch geholfen und sie aller Noth und Sorge ledig.