Um diese Zeit lag auch ein englisches Schiff, die Jane Douglas, im Hafen von Sidney. Der Capitain hatte seine Fracht gelöscht und wollte eben wieder beginnen, neue einzunehmen, als ihm eines Morgens die Kunde gebracht wurde, die Hälfte seiner Mannschaft sei in der Nacht »durchgebrannt« und die andere Hälfte würde wahrscheinlich ebenfalls bald nachfolgen. Frische Matrosen waren in Sidney zu jener Zeit gar nicht zu bekommen, ein sehr langer Aufenthalt wäre jedenfalls die unausbleibliche Folge gewesen, und der Capitain, ein resoluter Mann, griff endlich, nach reiflicher Erwägung, zu einem anscheinend verzweifelten, und doch, wie der Erfolg zeigte, gar nicht so üblen Entschluß. Er erklärte nämlich seinen Leuten, er wolle mit ihnen, da sie doch jetzt nicht daran denken konnten wieder sobald in See zu gehen, selber in die Minen hinaufziehen und mit ihnen arbeiten, der Ertrag solle aber, da er aus seiner Kasse die Kosten bezahlen würde, zum Theil für den Rheder, zum Theil für sie selber angenommen werden. Der Steward, der ohnedies lahm war, sich aber schon lange Jahre an Bord befand und das volle Vertrauen des Capitains besaß, sollte zurückbleiben und das Schiff bewachen, dafür aber bei der Zurückkunft gleichen Antheil mit der übrigen Mannschaft erhalten.
Es läßt sich denken, daß die Leute mit Jubel auf den Vorschlag eingingen, denn liefen sie auf ihre eigene Hand fort, blieben sie immer der Gefahr ausgesetzt, wieder eingefangen zu werden, und hatten selbst im glücklichsten Falle des Entkommens keinen rothen Heller in der Tasche, ihren Weg in die Minen zu bestreiten. Schon am nächsten Tag war denn auch Alles eingekauft, dessen sie zum Graben und Waschen da oben bedurften, ein Karren gemiethet, ihr Werkzeug, wie ihre nöthigen Provisionen hinaufzuschaffen, und der wunderliche Zug, ein Schiffscapitain an der Spitze seiner Mannschaft, setzte sich in Bewegung.
In den Minen am Turonfluß angelangt, begannen sie frisch ihre Arbeit. Einer der Matrosen war schon früher in Californien gewesen (vielleicht eine Ursache, daß er diesmal nicht fortgelaufen) und konnte die Uebrigen im Handhaben ihrer »Wiegen« unterrichten, und es wurde auch Gold genug gefunden, wenigstens vor der Hand ihre Ausgaben damit zu bestreiten und noch etwas zurückzulegen. Nach und nach kamen sie besser hinein, und theilten sich jetzt in drei Parteien, um eine größere Strecke auf einmal in Angriff nehmen zu können. Der Capitain selber arbeitete nicht, sondern überwachte das Ganze, der erste Steuermann war mit dem Koch und einem Schiffsjungen zusammen, der zweite Steuermann mit zwei jungen englischen Matrosen, und der Zimmermann und ein anderer Matrose arbeiteten ebenfalls zusammen. Das, was sie den Tag über fanden und auswuschen, wurde dann Abends gewogen und kam in eine gemeinschaftliche Kasse, später in dem bestimmten Verhältniß vertheilt zu werden. Diese Kasse hatte natürlich der Capitain.
Der Zimmermann war bis jetzt am glücklichsten gewesen und zwei Tage hinter einander in eine ziemlich reiche Stelle hineingerathen, aus der die beiden Männer eine Anzahl Unzen Gold herausnahmen. Noch besser traf es bald darauf der zweite Steuermann, der in einer Woche siebzehn, in der andern sogar einundzwanzig Unzen mit seiner Partei ausgewaschen hatte.
Es war jetzt die vierte Woche, daß sie arbeiteten, und die Leute fingen an, sich nachgerade zu berechnen, was sie etwa verdient, und was sie davon abgeliefert hätten. Daß ihnen der Capitain dabei die Mittel an die Hand gegeben, diese Stellen zu erreichen, und sobald zu beginnen, brachten sie nicht in Anschlag, und der Zimmermann weigerte sich endlich offen, unter den bisherigen Bedingungen länger mit fortzuarbeiten. Daß ihm der Capitain bewies, wie er hier in der kurzen Zeit gerade etwa das Zehnfache verdiene, als wenn er an Bord geblieben wäre, brachte ihn nicht von seinem Vorsatz ab, und eines Morgens war er verschwunden. Die Uebrigen beharrten indessen bei der Arbeit, und dem Matrosen, der bis dahin mit dem Zimmermann zusammen gegraben und gewaschen hatte, wurde der Koch beigegeben.
Es war am Mittwoch, als der zweite Steuermann mit seinen beiden Leuten wieder ein Loch bis ziemlich auf den Felsen niedergegraben hatte. Er nahm jetzt eine Pfanne voll Erde, in der er schon mit bloßem Auge Goldkörner erkannte, heraus, und ging damit an den nächsten Bach, sie zu waschen. Wie er damit zurückkam, stand der Capitain am Rand, ihren Erfolg zu erfragen.
»Nun, Jones?« sagte er, als er diesen langsam mit der leeren Pfanne zurückkommen sah, »wie stehts? lohnt das hier?«
»Ich glaube nicht, Capitain,« antwortete dieser mürrisch, »in der Pfanne war nicht für einen halben Schilling, und das von der besten Stelle weggenommen. Ich denke, wir fangen lieber auf einem andern Platze an.«
»Nur nicht so rasch verzagt«, ermahnte dieser – »Ihr habt Euch die Mühe des Abräumens gegeben, nun wascht auch die Grube aus, Tagelohn macht Ihr doch jedenfalls dabei. Vielleicht ist's auch in der andern Ecke da besser. Ich will nachher einmal wieder zufragen, wie's geht.« Dabei drehte er sich ab, und wanderte langsam den Fluß aufwärts und der Stelle zu, wo der erste Steuermann mit dem Jungen wusch.
Jones blieb in der Grube stehen und sah ihm eine Weile nach, dann aber, als er sich überzeugt hatte, daß er nicht zurückkehren würde, drehte er sich plötzlich nach seinen beiden Gefährten um, griff mit seiner rechten Hand in die Tasche seiner blauen Jacke, holte eine ganze Hand voll schwerer Goldkörner, von denen einzelne eine halbe Unze wiegen mochten, heraus und hielt sie den überraschten Mitarbeitern hin.