Tolmer zügelte im Anfang sein Pferd ein, denn möglich war es ja doch, daß sie, anstatt die Station zu erreichen, vielleicht gar einem Trupp von Buschrähndscher in die Hände fielen. Cap Borda war von hier gar nicht mehr so weit entfernt, und Gentleman John viel zu umsichtig, seine Leute nicht gerade dort, sondern weit eher in der Nähe versteckt zu halten. Das Geläute lagernder Heerden aber in der Nähe, und das Gebell von Hunden verrieth doch auch wieder einen von weißen Ansiedlern bewohnten Platz, und deutlich konnten sie jetzt zwischen den um die Fackel versammelten Männern auch einen etwa zwölfjährigen Knaben erkennen. Das waren keine Buschrähndscher.

Nach ein paar flüchtig mit einander gewechselten Worten sprengten sie wieder vor, während einige dort nach Opossums umhersuchende Hunde Wind von ihnen bekamen und laut bellend gegen sie ansprangen. Wenige Minuten später hielten sie neben der kleinen, von dem flackernden Lichte der Fackel grell beleuchteten Gruppe Menschen, die neugierig zu dem späten Besuche aufschauten.

»Guten Abend, Ihr Herren,« sagte da Tolmer, sich an den Aeltesten der Leute wendend, »könnt Ihr uns Nachtquartier für heute, und vielleicht einen Hut voll Hafer für unsere Pferde geben? Sie haben einen langen Tagesmarsch gemacht und bedürfen einer Stärkung.«

»Ja wohl, Fremder – gern,« lautete die gastliche Antwort. »Steigt nur ab und nehmt Eure Pferde am Zügel, denn von hier bis zum Haus stehen eine Menge kurz abgehauener Baumstümpfe.«

»Was habt Ihr da gemacht?« sagte Rodwell, der kein Auge von der Gruppe verwandt hatte, mit heiserer, angstbeklemmter Stimme. – »Ihr habt –«

»Ein Grab gegraben für ein armes Kind!« sagte der alte Mann mit ernstem, wehmüthigem Ton.

»Euer Kind?« frug Rodwell, und das Licht der Fackel begann vor seinen Augen zu tanzen und wilde, wirre Kreise zu ziehen.

»Meines? – nein, Gott sei gedankt, daß er mir bis jetzt solchen Schmerz erspart. – Es war das Kind einer armen Frau, die es todt auf ihrem Arm zu unserm Hause trug, es wenigstens in der Nähe von Weißen – von Christen begraben zu lassen.«

Rodwell glitt aus seinem Sattel, ließ den Zügel seines Pferdes frei, und taumelte mehr als er ging, dem frischen kleinen Grabe zu, über das die freundliche Hand der Fremden eben erst den niederen Hügel gewölbt.

»Eine fremde Frau?« rief Tolmer rasch und erschreckt, während sein mitleidiger Blick den armen Vater streifte.