Als ihn Tolmer frug, was er jetzt zu thun gedenke, erklärte er ihm, daß er die Leiche seines Kindes ausgraben und damit nach Hause zurückkehren wolle. Alle Vorstellungen, die ihm Tolmer deshalb machte, blieben umsonst. Er beharrte fest auf seinem Vorsatz, bat aber Tolmer, das Pferd, das er von Marsden Point mitgenommen, so lange zu benutzen, wie er wolle, und es ihm später zurückzuschicken.
Tolmer dagegen, doch jetzt allein auf die Verfolgung angewiesen, bis er sich mit seinen Leuten wieder vereinen konnte, beschloß seinen Weg zu Fuß fortzusetzen. Die Entfernung bis zur Point Borda war überdies nicht mehr so groß, während das ganze Benehmen des alten Squatters, wie seine Zurückhaltung fast vermuthen ließ, daß er in der That hier eine keineswegs willkommene, aber doch gefürchtete Nachbarschaft habe.
Von Rodwell nahm jetzt Tolmer herzlichen Abschied, und versprach ihm von dem Erfolg seines Unternehmens Nachricht zu geben. Nun erst, als er sich nach dem nächsten Weg nach Cap Borda, den, wie er meinte, auch jener Capitain Howitt eingeschlagen, erkundigte, erbot sich der alte Squatter, ihn eine kleine Strecke zu begleiten, und ihm einen Pfad zu zeigen, dem er leicht dahin folgen könne.
»Von Allem, was ich von Euch gesehen, Fremder,« redete er ihn da an, wie sie das Haus eine Strecke im Rücken hatten, »glaub' ich, daß ich Euch vertrauen darf. Ihr gehört keinesfalls zu jenen »Herren vom Busch«, die hier seit einiger Zeit ihr Wesen treiben.«
»Also doch,« sagte Tolmer lächelnd, »ich hab' es mir fast gedacht. Ihr habt übrigens Nichts von mir zu fürchten, denn nur der Wunsch, die nähere Bekanntschaft dieser »Herren« zu machen, hat mich hierher geführt.«
»Nehmt Euch dann in Acht,« warnte ihn der Alte, »sie sind zahlreicher, als ihr vielleicht glaubt, wenn sie sich auch bis jetzt, Gott weiß aus welchem Grunde, ruhiger und friedlicher verhalten haben, als das sonst gewöhnlich ihre Sitte sein mag. Wir Stationshalter, die wir hier einzeln im Busch leben, sind ihnen auf Gnade und Ungnade preisgegeben und müssen sie uns wohl zu Freunden halten. Merken sie einmal, daß wir sie verrathen oder gar der Polizei gegen sie beistehen, dann können wir uns darauf verlassen, daß wir dafür büßen müssen.«
»Aber wovon leben sie hier im Busch?« frug Tolmer.
»Von dem,« sagte der Alte achselzuckend, »was sie sich auf Rechnung holen. Zahlen thun sie dabei mit dem stillschweigenden Versprechen, uns dafür unsere Stationen nicht anzuzünden, unsere Heerden nicht zu zerstreuen oder uns gar Abends beim Thee ihre Schrotgewehre in die Fenster hineinzuschießen. Es ist jedenfalls eine unbequeme Nachbarschaft, und wenn man den Gouverneur unter der Hand nur davon benachrichtigen könnte, daß er eine hinreichende Macht herüber schickte, ließe sich vielleicht mit Erfolg ein Schlag gegen die ganze Bande führen.«
»Und würdet Ihr Herren hier die Polizei dabei unterstützen?« frug Tolmer.
»Das ist eine kitzliche Sache,« meinte der Alte achselzuckend. »Auf unsere Leute können wir uns natürlich nicht verlassen; ja wissen kaum, ob sie nicht mit der Bande in weit näherer Verbindung stehen, als uns lieb ist. Treten wir daher offen auf Seite der Polizei, und richtet diese, was sehr gewöhnlich der Fall ist, nichts weiter aus, als daß sie ein paar deren wegfängt oder todtschießt, und dann wieder ruhig nach dem festen Lande zurückfährt, dann sitzen wir nachher erst recht im Unglück d'rin, und können uns fest darauf verlassen, die sein zu müssen, an denen die gereizten Verbrecher ihren ganzen Grimm und Unmuth auslassen.«