Die Leute wandten sich ab und schlenderten langsam den Weg zurück, den sie vor etwa einer halben Stunde gekommen. Nur Rothkopf blieb noch, kaum fünfzehn Schritt von der Casuarine entfernt, und das Gesicht dem Baum zugekehrt sitzen, stieß langsam sein Messer in die Scheide zurück, und nahm dann seine Doppelflinte vor sich auf die Knie. Hieran untersuchte er die Pistons, reinigte sie, schüttete frisches Pulver hinein, setzte trockene Zündhütchen auf, und schien sich solcher Art allerdings für die angekündigte Wallobijagd vorzubereiten. Seine Gefährten waren indessen schon lange das Thal hinaufgestiegen und Tolmer, der Alles erfahren, was er nur gewünscht, hoffte jetzt sehnlichst, daß der Bursche unter dem Baum sein Gewehr endlich in Stand hätte, und ihm ebenfalls Raum gab, seine durch die Länge der Zeit unbequem werdende Stellung verlassen zu können.
Rothkopf schien aber keine derartige Absicht, wenigstens nicht für die nächste Zeit zu haben; denn, sein völlig in Stand gesetztes Gewehr noch immer auf den Knien, blieb er ruhig in der vorhin eingenommenen Stellung, und nickte nur manchmal, still vor sich hinlächelnd, mit dem Kopf. Tolmer's Lage wurde mit jedem Augenblick peinlicher; Arm und Knie schmerzten ihn, und doch wagte er nicht sich zu regen. Da hob der Buschrähndscher langsam den Kopf zu dem Baum empor, an dem jener saß, betrachtete den Wipfel eine Weile und sagte dann, so ruhig, als ob er mit einem seiner Leute redete.
»Nun, Mate, ich denke Ihr könntet jetzt da oben ausgeschlafen haben. Donnerwetter, andere Vögel streichen mit Tagesanbruch ab, und Ihr bleibt bis zum hellen Mittag in den Zweigen mit dem Kopf unter dem Flügel sitzen.«
Tolmer regte sich nicht – das Herz schlug ihm wie ein Hammer in der Brust. Noch aber blieb ihm immer die Hoffnung, daß der Buschrähndscher mit jemand Anderem, nicht mit ihm spreche, und er doch noch vielleicht der Entdeckung entgehen könnte. Rothkopf machte aber seinen Zweifeln bald ein rasches Ende. Er stand auf, nahm sein Gewehr in Anschlag, und den Lauf gerade gegen den Wipfel der Casuarine richtend, sagte er mit nicht lauterer Stimme als vorher, aber mit trockenem, spöttischem und doch auch wieder drohendem Ton:
»Nun, wird's bald, Kamerad? oder soll ich Euch etwa Beine machen. Ich habe nicht übermäßig Munition, und möchte die Ladung Schrot und die Todtengräberkosten gern ersparen. Euch mein' ich da oben in dem Baum d'rin – habt Ihr mich verstanden?«
Tolmer sah sich entdeckt, und wenn ihm auch die Hand im ersten Augenblick nach den Pistolen zuckte, fühlte er doch auch zugleich, daß er mit seinen verklommenen Armen nicht im Stande sein würde, sein Ziel sicher zu treffen, und dann war er verloren. Außerdem konnte der Schuß die übrige noch nicht so ferne Schaar herbeirufen. Die List blieb noch seine einzige Hülfe.
»Hallo, Mate,« rief er deßhalb, gute Miene zum bösen Spiel machend, vom Baum nieder, »nehmt das vertrackte Schießeisen weg, es könnte Euch aus Versehen in der Hand losgehen, und Ihr wollt doch wahrhaftig nicht einen Kameraden wie einen Papagei vom Baum herunterschießen.«
»Kameraden?« wiederholte Rothkopf, ohne jedoch seine drohende Stellung zu verändern, »den müssen wir uns erst einmal in der Nähe betrachten. Kommt Ihr?«
»Ei gewiß,« lautete die Antwort, »bedenkt nur, daß mir Arm und Beine ganz verquollen sind. Ich habe da oben in keinem Lehnstuhl gesessen.«
Er rutschte, während er sprach, vorsichtig an der glatten Rinde nieder, und sah sich gleich darauf dem Buschrähndscher und dessen auf ihm gerichteten Gewehr gegenüber.