»Und wenn der – Schuft jetzt zurück käme?«

»Wenn ich mich nicht fürchte, brauchst Du doch keine Angst zu haben. Ich gebe Dir mein Wort, daß ich den Burschen, falls er noch einmal Lust haben sollte einzudringen, in sicherer Entfernung halten werde. Laß ihn nur kommen; unsere Leute hier im Haus werden wahrhaftig kurzen Prozeß mit ihm machen.«

Der Mann blieb einen Augenblick zögernd an der Thür stehen, als ob er noch etwas sagen wollte; aber plötzlich drehte er sich scharf auf dem Hacken herum und schritt wenige Minuten später die Straße hinab, über die Plaza und dem Polizeigebäude zu.

Drittes Kapitel.
Die Flucht.

Der Mexikaner Felipe Corona, wie er mit Namen hieß, verließ indessen mit bitteren Rachegedanken das Haus des Deutschen. Aber während er die Straße hinab schritt, war er sich doch auch bewußt, auf wie unsicherer Basis die Klage ruhte, die er hier, selber ein Fremder, gegen einen in Lima ansässigen Mann vorbringen wollte. Und sollte er ihn deshalb im Besitz aller der Schätze lassen, die, wie er fest behauptete, ihm – allein nur ihm gehörten? Nein! bei dem Blute des Gekreuzigten, nein. Wahrlich nicht, so lange seine Faust noch ein Messer führen konnte, und wenn ihm die Peruaner sein Recht nicht verschafften – er biß die Zähne fest zusammen und schritt, finster vor sich hin brütend, die Straße hinab, wo er das Haus eines Advokaten wußte. Der sollte ihm helfen – oder doch wenigstens einen Rath geben, wie er sich zu verhalten habe, welche Schritte er hier in dem fremden Lande thun müsse, um den Schuldigen zu überführen und zu strafen.

Er fand den Herrn auch zu Hause, und zwar ziemlich behaglich in einer Hängematte liegend und eine Cigarre rauchend; was sollte er sich bei der Hitze anstrengen, wo er es so bequem haben konnte? Die Geschäfte mochten eben warten bis die Abendkühle eintrat – oder vielleicht auch bis morgen früh. Die Gerechtigkeit ist blind und kann sich deshalb nicht Hals über Kopf in einen Strudel von Arbeiten stürzen; sie muß eben langsam und vorsichtig zu Werke gehen.

Nach dem eintretenden Mexikaner drehte er auch kaum den Kopf, als dieser das kühle, luftige Gemach betrat. Der Mann trug einen Poncho, war also jedenfalls ein Peon oder Diener, denn ein Caballero ging nicht mehr mit diesem eigentlich alt-peruanischen Kleidungsstück über die Straße; es war völlig aus der Mode gekommen. Er brachte ihm wahrscheinlich eine Botschaft, und die konnte er ebenso gut liegend anhören – ja eigentlich noch viel besser.

»Und was wollt Ihr, amigo

»Eure Hülfe oder Euren Rath, Sennor, gegen einen Schurken,« sagte der Mexikaner ruhig.

»So? Hm – und wie heißt der Schurke?«